Todessehnsüchtig
Insel der Glückseligen? Das Bild, das wir zu Beginn des dritten Aufzugs sehen, verheißt diesbezüglich wenig Gutes. Johannes Leiackers karge, von Olaf Winter raffiniert ausgeleuchtete Schwarzweiß-Bühne definiert Kareols Küste vielmehr als Ort einsamen Sterbens, als Gegenentwurf zu einer irgendwie gearteten positiven Utopie.
Zerborstene Bruchstücke jener riesigen Platte, die noch im ersten Teil über dem Boden schwebte (und so zum Menetekel der gewaltigen Gefühlsschwankungen wie zum Gefängnis für Isolde wurde) und dann im Liebesakt als gleichermaßen trennende Wand und Magnetfeld für die Liebenden emporragte, türmen sich zum granitschwarzen Scherbenhaufen. Zwischen den Brocken das angespülte schwarze Ruderboot und Tristan, nach innen gewendet, ohne Weltbezug, nur noch mit seiner Erinnerung konfrontiert.
Es ist eine traurige Erinnerung: Müde wandelt das Englischhorn mitsamt seiner melancholischen Melodie übers nebelverhangene f-Moll. Wie wichtig «diese alte Weise» für Tristan ist, verdeutlicht die Entscheidung Katharina Thomas, den Musiker Romain Curt auftreten zu lassen, als barfuß, im schwarzen Anzug ums karstige Gestein herumstreichende Figur. Die Regisseurin hat den Text genau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Alles schon einmal dagewesen. Mit Maßanfertigungen für Farinelli haben bereits Vivica Genaux, Philippe Jaroussky oder Bejun Mehta Silberscheiben bestritten. Selbst das Conchita-Wurst-Styling von Cecilia Bartoli, als provokatives Gender-Pendeln gemeint, kennt man aus ihrem Salzburger «Ariodante». Bemerkenswert ist eher: Die Koloraturmaschine tuckert noch immer rund...
Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt,...
Frau d’Oustrac, lieben Sie Wagner?
Natürlich liebe ich ihn, so wie ich auch Brahms, Schumann und Liszt liebe. Vollends habe ich diese faszinierende Welt während meines Gesangsstudiums entdeckt, aber bereits zuvor, an der Musikschule, hatte ich mich theoretisch eingehend mit den Frauenrollen in Wagners Werken auseinandergesetzt.
Eine interessante Beschäftigung für...
