Kosmos Schubert

Auf «Winterreise» mit Mark Padmore, Bo Skovhus und dem Coco Collectief, im Salon mit Paul Armin Edelmann

Opernwelt - Logo

Es gibt nichts, was Schuberts «Winterreise» sich nicht bereits hätte gefallen lassen müssen – von Matthias Loibners naiv naturalistischer Version für Drehleier und Sopran bis zu Hans Zenders «komponierter Interpretation» für Tenor und kleines Orchester, von den zahllosen szenischen Realisierungen ganz abgesehen. Jetzt hat der Pianist Maurice Lammerts van Bueren den Zyklus für das Coco Collectief arrangiert – für wechselnde Stimmformationen vom Terzett bis zum Quintett, aber auch dialogisierend, ja kommentierend –, wobei er sich stets dicht ans Original hält.

Dass solche Verfremdungen einen neuen, überraschenden Blick aufs Original werfen, haben unterschiedlich besetzte Ensembles wie die Swingle Singers, die King’s Singers oder Franui gezeigt. Bei den fünf  Sängerinnen des Coco Collectiefs klaffen Wollen und Können leider weit auseinander – so weit, dass manches unfreiwillig parodistisch wirkt wie «Im Dorfe» oder die schmalzige a-cappella-Version des «Wegweisers». Beim «Leiermann» angekommen, mag man dann nur noch mit Kafka sagen: «Gib’s auf!»

Da künstlerische Partnerschaften eines Sängers mit einem Hammerklavierspieler noch immer selten sind, durfte man auf die «Winterreise» des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Monteverdi war stärker

Wie es fassen? Wie es genau definieren? «Alles klingt natürlich, es ist Kunst und es ist Natur», müht sich Nikolaus Harnoncourt um eine Einkreisung. «Der Komponist malt und seine Klänge bewegen sich.» Und das Spielen? «Wir machen es alles so, als gäbe es nichts als lebende, überraschende Musik.» Ende der 1960er-Jahre ist das passiert, bei «L’Orfeo». Und wer diese...

Kritisch distanziert

Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch...

Fabelhafter Irrsinn

«Was für ein buntes Publikum!», ruft Feuerwehr-Käpt’n Shaw mit Blick auf die grauen Löckchen im Saal, wo – typisch Matinee! – schaler Kaffeeatem und weihrauchlastige Parfüms die Luft verdicken. «Ich sehe das Bürgertum – und die gehobene Mittelschicht. Ein wahrer Schmelztiegel!» Die Mittelschicht jauchzt entzückt. Bissiges für alle, Sarkasmus ohne Ende: Der Ton ist...