Kritisch distanziert
Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch aufs Häusl zu gehen, um den Abend unbeschwert genießen zu können.
Das allerdings lag kaum im Interesse der Regisseurin Mizgin Bilmen, die schon in ihrer aufsehenerregenden Inszenierung von Marc-André Dalbavies «Charlotte Salomon» gezeigt hat, dass in der Oper nicht das schiere Vergnügen, sondern Einsichten in die Bedingungen unseres Lebens und die politischen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts im Vordergrund stehen (da hätte der «Rheingold»-Komponist ganz gewiss heftig zugestimmt).
Und weil es Bilmen eben nicht um ein romantisches Märchen von Zwergen, Riesen und Göttern geht, hebt sich zu Beginn der Eiserne Vorhang mit piependem Warnsignal und Alarmlichtern. Das Statement: Wagners Drama um die Macht, welche die Schönen und Reichen in Gestalt des verfluchten Rings an sich reißen, spielt sich ab in einem technoiden Walhall ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael-Struck-Schloen
Es beginnt mit der Aufforderung zum positive thinking, «Music for a while shall all your cares beguile»: Bekümmernisse vergessen und sich der Musik an den Hals werfen. Hat der Hörer dies getan, kann er, wenn er mag, die Geschichte einer Liebe erfahren, die ersten Wallungen, das Mit- und Gegeneinander von Freude und Zweifel, schließlich das triste Auseinandergehen....
Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.
Doch muss man sie reduzieren, humorisieren,...
Verfügen möge sie über ihn. Deutliche Beweise der Freundschaft kündigt er der Trojanischen Prinzessin gar an. Und missversteht doch den emotionalen Ausnahmezustand Ilias: Eine Vorahnung des «La ci darem la mano» blitzt da auf. Idomeneo und Ilia, auch das wäre eine Möglichkeit. Aufreizend gedacht ist das, prickelnd, und auch so inszeniert. Mehr wünscht man sich von...
