Korridor des Horrors
Kein Vorspiel, kein Vorhang. Nur jede Menge Bretter, die die Welt bedeuten. Es handelt sich um Dachlatten, schon ziemlich abgenutzte Secondhand-Exemplare, schwärzlich oder bräunlich, marode und verwittert, aus denen das überschaubare Reich des König Lear zusammengenagelt worden ist. Latte für Latte bilden sie einen schmalen Korridor. Viel Platz haben sie also nicht, Lears böse Töchter, um einander auszutricksen und sich selbst und Land und Leute in Krieg und Ruin zu treiben.
Aribert Reimanns emphatische Shakespeare-Oper «Lear», seit der Münchner Uraufführung anno 1978 bereits 27-mal neu inszeniert, wird vom Setting am Palais Garnier in Paris auf das Format eines Kammerspiels zurückgebucht. Und ganz shakespearisch marschieren zunächst auch erst mal alle Spielteilnehmer an der Rampe auf, Albany, Kent, Gloster, Cornwall, France und so weiter, Glosters Söhne, Lears Töchter, als Darsteller ihrer selbst. Wie Raubtiere fixieren sie ihr Opfer, das Publikum, um später, während der ersten Verwandlungsmusik, auf engstem Raum im Kreis herumzutigern, rastlos und sinnlos, wie die Tiere im Zoo, angetrieben vom Schnattern des Blechs, vom Donnern der großen Trommel.
Öfters fällt etwas Licht ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Eleonore Büning
Als rätselhafter Solitär steht Bizets «Carmen» in der Operngeschichte, irgendwo zwischen Wagner und der Italianità des ausgehenden Belcanto und aufkommenden Verismo. Der Komponist, auch mit seiner jugendlichen C-Dur-Sinfonie (einer verfrühten «Symphonie classique») ein aus der Zeit Gefallener, ließ sich nicht wie seine Landsmänner Chausson und (zeitweilig) Debussy...
Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder», ruft die Menge in Richard Wagners «Lohengrin», als der Gralsritter auf dem Schwan dahergeschwommen kommt. Ein Wunder brauchte auch das Konzert Theater Bern, als man sich letztes Jahr unverhofft mit einer Panne konfrontiert sah. Seit 2014 wird der neoklassizistische Bau umfassend renoviert (Kostendach: 45 Millionen Schweizer...
Ganz anders hatten sich die Salzburger das vorgestellt, zum Beispiel mit einem Prolog. Die gealterte Maria, gestählt durch die Bandenkriege Manhattans, hätte da von ihrem Schicksal erzählen dürfen, von ihrer einzigen großen Liebe, von Tony. Und dann wäre sie ins Stück eingetaucht, hätte alles noch einmal durchlitten, was damals zwischen den Sharks und den Jets...
