Aus dem Leben eines Taugenichts
Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»
«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»
«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»
«Gut. Nicht dass ich wieder stundenlang am Fummeln bin.»
«Kein Ding, echt, das geht ruckzuck. O. k., Leute ... dann mal los.»
Eine ganz normale Probe.
Die Männer in der Oper tun den Frauen in der Oper wieder mal Unaussprechliches an. Na und? In diesem Stück steht es sogar in der Partitur. Für mich nichts Neues, im Durchschnitt spiel’ ich eh mehr Perverse als Normalos. Gut, das hat was mit meinem Fach zu tun, aber es gehört zur Oper auch irgendwie dazu. Wenn man die Figuren schonungslos unter die Lupe nimmt, sind sie entweder so harmlos wie das Kissen, in das sie ihren Liebeskummer sabbern – oder sie zerraufen rollig Röcke und rammeln, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mit und ohne Zustimmung. Dazwischen gibt’s nicht viel. Grauzonen machen sich wohl nicht gut auf der Bühne.
Trotzdem gibt mir das plötzlich zu denken. Dass ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
«Heute findet jede Zeitung / größere Verbreitung durch Musikkritiker / Und so hab auch ich die Ehre / und mach jetzt Karriere als Musikkritiker», schnodderte Georg Kreisler in den Sechzigern mit herrlich gerolltem «rrr». Der Rezensent in seinem Song hat von Tuten und Blasen keine Ahnung, dafür rächt er sich an den Künstlern. Er hat mit dem Publikum rein gar nichts...
Alle wollten ihre Stoffe, ihre Schnitte, ihre Farben. Peter Stein, dessen Berliner Schaubühnen-Ensemble sie über mehr als zwei Jahrzehnte in Kleider steckte, die wahre Leute machten. Klaus Michael Grüber und Robert Wilson, George Tabori und Patrice Chéreau, der Moidele Bickel u. a. für seinen Salzburger «Don Giovanni» (1994) und sein Filmepos «Die...
Plüschig geht es nicht zu im Palast von Mustafà, dem Bey von Algier. Mag das Théâtre du Capitole auch ein wenig nach Puppenstube aussehen – auf der Bühne herrscht die blanke Moderne. Der Bey bewohnt ein Penthouse, natürlich mit Meerblick. Alles ist blendend weiß und sehr übersichtlich. Hier gibt es keine Serailgemütlichkeit, aber auch keine islamistischen...
