Aus dem Leben eines Taugenichts
Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»
«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»
«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»
«Gut. Nicht dass ich wieder stundenlang am Fummeln bin.»
«Kein Ding, echt, das geht ruckzuck. O. k., Leute ... dann mal los.»
Eine ganz normale Probe.
Die Männer in der Oper tun den Frauen in der Oper wieder mal Unaussprechliches an. Na und? In diesem Stück steht es sogar in der Partitur. Für mich nichts Neues, im Durchschnitt spiel’ ich eh mehr Perverse als Normalos. Gut, das hat was mit meinem Fach zu tun, aber es gehört zur Oper auch irgendwie dazu. Wenn man die Figuren schonungslos unter die Lupe nimmt, sind sie entweder so harmlos wie das Kissen, in das sie ihren Liebeskummer sabbern – oder sie zerraufen rollig Röcke und rammeln, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mit und ohne Zustimmung. Dazwischen gibt’s nicht viel. Grauzonen machen sich wohl nicht gut auf der Bühne.
Trotzdem gibt mir das plötzlich zu denken. Dass ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
«Ich bin dein Vater, deine Mutter, deine Oma und deine Schwestern», soll der Entführer Wolfgang Priklopil zu Natascha Kampusch gesagt haben, die er als Kind verschleppte und acht Jahre in einem Keller gefangen hielt. «Ich bin jetzt alles für dich. Du gehörst nur mir.» Im Programmheft zum neuen Nürnberger «Rigoletto» sind diese Sätze nachzulesen. Die junge...
Ganz anders hatten sich die Salzburger das vorgestellt, zum Beispiel mit einem Prolog. Die gealterte Maria, gestählt durch die Bandenkriege Manhattans, hätte da von ihrem Schicksal erzählen dürfen, von ihrer einzigen großen Liebe, von Tony. Und dann wäre sie ins Stück eingetaucht, hätte alles noch einmal durchlitten, was damals zwischen den Sharks und den Jets...
Es ist ja nicht so, dass Kirill Petrenko die «Meistersinger» einfach schneller dirigieren würde als die allermeisten seiner Kollegen. Dass sie bei ihm in sich bewegter klingen, filigraner, schwungvoller, detailreicher, folgerichtiger, das hat viele Ursachen. Schon das Vorspiel gelingt als Meisterstück ausgewogener Proportionen. Das C-Dur-Eingangsthema wird meist zu...
