Aus dem Leben eines Taugenichts
Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»
«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»
«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»
«Gut. Nicht dass ich wieder stundenlang am Fummeln bin.»
«Kein Ding, echt, das geht ruckzuck. O. k., Leute ... dann mal los.»
Eine ganz normale Probe.
Die Männer in der Oper tun den Frauen in der Oper wieder mal Unaussprechliches an. Na und? In diesem Stück steht es sogar in der Partitur. Für mich nichts Neues, im Durchschnitt spiel’ ich eh mehr Perverse als Normalos. Gut, das hat was mit meinem Fach zu tun, aber es gehört zur Oper auch irgendwie dazu. Wenn man die Figuren schonungslos unter die Lupe nimmt, sind sie entweder so harmlos wie das Kissen, in das sie ihren Liebeskummer sabbern – oder sie zerraufen rollig Röcke und rammeln, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mit und ohne Zustimmung. Dazwischen gibt’s nicht viel. Grauzonen machen sich wohl nicht gut auf der Bühne.
Trotzdem gibt mir das plötzlich zu denken. Dass ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
Die biblischen femmes fatales Judith und Salome haben einiges gemein: Beide trachten mit mörderischer Rage einem Mann nach dem Leben, beide setzen in ihren Racheplänen auf ihre körperliche Reize, beide bringen ihr Opfer erfolgreich zur Strecke. Und doch sind sie Gegensätze: Judith, die Lichtgestalt, rettet ihr Vaterland. Salome, die machtsüchtig Verderbte, schafft...
Oper? Natürlich nicht oder doch nur ein wenig. Szenisches Konzert? Eine Spur auch davon. Themenabend mit Musik? Schon eher. Indes, «Musik- und Tanztheater» nennen der deutsche Schauspielregisseur Sebastian Nübling und der belgische Choreograf Ives Thuwis ihr nicht ganz zweistündiges Basler Programm.
Eine «Méditation sur ma mort future» kündigt die Leuchtschrift...
Im Jahr 1836 dirigierte Richard Wagner in Magdeburg die Uraufführung seiner zweiten Oper: «Das Liebesverbot». Es muss eine chaotische Aufführung gewesen sein: Zu wenig Proben, überforderte Sänger, private Konflikte innerhalb des Ensembles: Nun, genau 180 Jahre später, fand in Straßburg die französische Erstaufführung des Frühwerks statt – sorgfältig vorbereitet,...
