Kopftheater
Kitsch, lässt Pascal Mercier in «Nachtzug nach Lissabon» seinen Goldschmied der Worte, Amadeu Prado, formulieren, sei das tückischste aller Gefängnisse. Denn die Gitterstäbe seien mit dem Gold vereinfachter, unwirklicher Gefühle verkleidet, sodass man sie für Säulen eines Palasts halte. Unwirkliche, geborgte Gefühle sind auch das «Arbeitsmaterial» des egozentrischen Schriftstellers Gregor Mittenhofer in Hans Werner Henzes «Elegie für junge Liebende».
Er leiht sie sich etwa von der leicht verrückten Witwe Hilda Mack (koloraturrabiat: Laura Aikin), die seit vier Jahrzehnten auf die Rückkehr ihres am Berg verschollenen Verlobten wartet.
Mittenhofers Sprache atmet Klimt’schen Goldglanz. Zugleich scheint sie in ihrer Künstlichkeit vernutzt (was die Librettisten WH Auden und Chester Kallman wohl beabsichtigt haben). Kein Zufall, dass man an «Jedermann» denkt – changiert das Klima des Stücks doch zwischen Hofmannsthal und Luis Trenker. Genau dies scheint Keith Warner bei seiner Inszenierung im Theater an der Wien auch aufs Korn genommen zu haben. Wobei er Ironie nicht direkt verschießt, sondern subtil zwischen die Zeilen sickern lässt. Es Devlins Bühne verzerrt Alltagsgerät vom ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
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