Kopftheater
Kitsch, lässt Pascal Mercier in «Nachtzug nach Lissabon» seinen Goldschmied der Worte, Amadeu Prado, formulieren, sei das tückischste aller Gefängnisse. Denn die Gitterstäbe seien mit dem Gold vereinfachter, unwirklicher Gefühle verkleidet, sodass man sie für Säulen eines Palasts halte. Unwirkliche, geborgte Gefühle sind auch das «Arbeitsmaterial» des egozentrischen Schriftstellers Gregor Mittenhofer in Hans Werner Henzes «Elegie für junge Liebende».
Er leiht sie sich etwa von der leicht verrückten Witwe Hilda Mack (koloraturrabiat: Laura Aikin), die seit vier Jahrzehnten auf die Rückkehr ihres am Berg verschollenen Verlobten wartet.
Mittenhofers Sprache atmet Klimt’schen Goldglanz. Zugleich scheint sie in ihrer Künstlichkeit vernutzt (was die Librettisten WH Auden und Chester Kallman wohl beabsichtigt haben). Kein Zufall, dass man an «Jedermann» denkt – changiert das Klima des Stücks doch zwischen Hofmannsthal und Luis Trenker. Genau dies scheint Keith Warner bei seiner Inszenierung im Theater an der Wien auch aufs Korn genommen zu haben. Wobei er Ironie nicht direkt verschießt, sondern subtil zwischen die Zeilen sickern lässt. Es Devlins Bühne verzerrt Alltagsgerät vom ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
Die Entdeckungsreisen, zu denen der Palazzetto Bru Zane in reger Folge einlädt, sind hochwillkommenes Gegengewicht zur Routine des Repertoires. Nun eine Oper von Saint-Saëns aus dem Jahre 1887: «Proserpine» (in der zweiten Fassung von 1899). Das 1838 verfasste experimentelle Drama eines Hugo-Nachahmers hat in der Bearbeitung als Oper freilich viel von seiner...
58. Jahrgang, Nr 7
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Als Liedsänger hat sich der griechische Bariton Tassis Christoyannis auf das französische Repertoire der «Mélodie» spezialisiert. Nach vier vorausgegangenen (Félicien David, Benjamin Godard, Édouard Lalo und Camille Saint-Saëns gewidmeten) CDs, die alle beim Label Aparte erschienen sind, überrascht er nun mit einer ausgesprochenen Rarität. Den Namen Fernand de La...
