Kontrastreich

Tavener: A Gentle Spirit
Walton: The Bear
GERA | THEATER

Opernwelt - Logo

Es ist ein Doppelabend, der kontrastreicher nicht sein könnte: Jenseits trifft auf Hier und Jetzt, Minimalismus auf Prunk und Protz, Ernsthaftigkeit auf Komik. Und doch haben «A Gentle Spirit» und «The Bear», Kammeroper und Extravaganza, eine Parallele: Ein Part eines Ehepaares ist nicht mehr, der oder die Zurückgebliebene muss einen Weg der Verarbeitung finden. Eine gelungene Paarung, die das Theater Altenburg Gera in der Inszenierung von Generalintendant und Operndirektor Kay Kuntze auf die Bretter schickt.

Das Ernsthafte macht den Anfang: «A Gentle Spirit» von John Tavener, basierend auf Fjodor Dostojewskis Erzählung «Die Sanfte». Ein Mädchen liegt auf der Bühne, schräg vor dem Orchestergraben. Tot. Es ist die Frau des Pfandleihers, die ihn aus Armut und Verzweiflung geheiratet hatte. Und er sie aus einem Gefühl der Überlegenheit heraus. Während der Mann immer noch mit einer Demütigung eines ausgeschlagenen Duells zu kämpfen hat, macht er seiner fast noch jugendlichen Frau die Ehe zum Martyrium: Er straft sie mit Schweigen. Sie verliert ihren Lebensmut, ihre Liebe. Und gerade, als er schlagartig erkennt, wie sehr er sie doch liebt, stürzt sie sich aus dem Fenster. Schwarz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Katharina Stork

Weitere Beiträge
Baden wie in den Fünfzigern

In einem von der Pariser Opéra Comique vorab verbreiteten Interview begründet der sympathisch enthusiastische Raphaël Pichon seine Wahl der dritten Fassung von «Hippolyte et Aricie», die 1757, ein Vierteljahrhundert nach der überbordend reichen Erstfassung auf die Bühne kam, mit deren meisterlicher Kohärenz. Sie sei die Version «la plus ramassée, la plus directe,...

Höhenflüge

Der eine, Freund Fritz, will nicht heiraten, nicht um den Wettpreis eines Weinbergs, den ihm sein Kumpel David verspricht, und obwohl er schon lange Zuneigung zu Suzel hegt. Der andere, Postillon Chapelou, heiratet dafür gleich zwei Mal: einmal die Gastwirtin Madeleine und dann, zehn Jahre später, als er in Paris als Opernstar «Saint-Phar» Furore macht, Madame de...

Apropos... Beethoven in der Bar

Herr Humm, Sie waren bisher ein sehr hohes Lebenstempo gewohnt. Jetzt wurden seit fast zwei Jahren viele Ihrer Engagements abgesagt. Wie geht es Ihnen mit dieser Entschleunigung?
Schwierige Frage. Ich merke, dass man Dinge, die schnell gehen müssen, wieder verlernt, wie das Kofferpacken, weil es nicht mehr so häufig und wichtig ist wie früher. Die ganze...