Gewagt und gefährdet

Rossini: Otello
LIÈGE | OPÉRA ROYAL DE WALLONIE

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Selbst für ein Haus, das sich so konsequent dem Belcanto verschrieben hat wie die Opéra Royal de Wallonie, bedeutet der «Otello» Rossinis kein geringes Besetzungsrisiko. Immerhin wollen für die Titelpartie und die seines Rivalen Rodrigo zwei gleichwertige Tenöre gefunden sein, zudem sollte Iago als dritter Vertreter dieser Stimmlage den beiden Protagonisten das Wasser reichen. Regisseur Emilio Sagi nimmt die ungewöhnliche Stimmkonstellation zum Anlass, Desdemona durch das tenorale Triumvirat regelrecht einzukesseln.

Zwar schildert Sagi, wie die Gegenspieler den Seehelden und venezianischen Neubürger belauern und die Machenschaften, mit denen sie ihm zusetzen. Doch übler noch spielt die Männergesellschaft, unter Einschluss Otellos, der Frau mit, die der Feldherr und dessen Nebenbuhler zu lieben vorgeben. Rüde bis zur körperlichen Züchtigung unterjocht der Vater Desdemona. Mit dessen Autorität im Rücken kaschiert Möchtegern-Bräutigam Rodrigo seine Zudringlichkeiten durch schmachtende Seufzer. Die Eifersucht Otellos schließlich entwürdigt die Geliebte beinahe mehr noch, als es deren brutaler Vater und Rodrigo vermögen. Immer wieder lässt Sagi dennoch Desdemonas Begabung zu Format und ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Kaminski

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