Film und Frau
Mit rot verschmiertem Mund, wie ein trauriger Clown, beklagt Cleopatra ihr Schicksal. Eben noch hat Tolomeo die gefangene Schwester sadistisch erniedrigt, an der Leine geführt wie einen Hund (man erinnert sich an Pasolinis berüchtigten Schwanengesang «Salò»). Doch dann singt Louise Alder das «Piangerò la sorte mia» unglaublich berührend, mit engelsgleichem Ton. Es ist eine Kernszene von Keith Warners Inszenierung des Händel‘schen «Giulio Cesare in Egitto» am Theater an der Wien: Posse und Tragik, Poesie und Grand Guignol zusammengepfercht auf engstem Raum.
Einige Betrachter nannten Warners Intentionen «dem Stück aufgedrängt». Dabei hatte Karl Kraus schon 1905, in seinen Notizen zu Wedekinds «Büchse der Pandora», geschrieben, der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas «hineingelegt» hätte, wäre ihr stärkstes Lob. Denn nur in Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel läge, ließe sich beim besten Willen nichts hineinlegen. Was man indes alles in Händels Opern an sinnlicher Freude und spielerischer Lust hineinlegen kann, haben herausragende Produktionen in den letzten Jahrzehnten bewiesen. Zumal beim «Giulio Cesare», wo geniale Barockmusik-Dirigenten neue Maßstäbe setzten und ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhard Persché
Die Welt ist auf den Kopf gestellt: Ein großer Baum wächst in Ingo Kerkhofs «Werther»-Inszenierung verkehrt herum aus dem Bühnenhimmel; der lindgrüne Bühnenboden ist hochgeklappt und schwebt wenige Zentimeter unter der Decke. Der von Dirk Becker entworfene Raum bringt die Emotionslage des Titelhelden treffend auf den Punkt: Seit seiner ersten Begegnung mit...
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
JUBILARE
Param Vir kam in Neu-Delhi zur Welt. Im Alter von neun Jahren begann er, Klavierunterricht zu nehmen und begeisterte sich für Musik. Als 14-Jähriger fing er an zu komponieren und lernte den deutschen, damals in
Delhi lebenden Komponisten Hans-Joachim Koellreutter kennen, der ihn in Kontrapunkt und Harmonielehre einführte und mit der Zwölftonmusik bekannt...
