Konsequent sachlich, kunstvoll expressiv

Peter Eötvös bleibt auch in seiner Oper «Sleepless» seiner Liebe zur Literatur treu. Ein Porträt des Komponisten und Dirigenten

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Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist? Welche Befähigung ist stärker, welche «Berufung» zwingender? So lauten die Fragen, wenn Komponist und Dirigent sich in einer Person versammeln. Gustav Mahler (zu Beginn des 20. Jahrhunderts) und Pierre Boulez (über weite Strecken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) besetzten dank vollendeter Kompetenz und Zweifachbegabung die Spitzenpositionen des Doppelgenres.

Der 1944 in Transsylvanien geborene Ungar Peter Eötvös gehört in die Ausnahmekategorie auf beiden Seiten des Musikmachens – sehr ehrgeizig, überaus produktiv, reich an Erfahrung und auch als Lehrer junger Komponisten in Meisterkursen sowie als Professor an den Musikhochschulen in Karlsruhe und Köln. 

Eötvös studierte bis 1965 Komposition, Dirigieren und Klavier in Budapest, nah dran an der Musik der beiden großen Komponisten seines Landes: Béla Bartók und Zoltán Kodály. Zum Schicksalsort für den jungen Eötvös wurde aber Köln. Dort begegnete der 22-jährige Eötvös Karlheinz Stockhausen, Deutschlands «führendem» Avantgardisten der experimentellen Musik. Stockhausen suchte damals einen «Kopisten» für sein Stück «Telemusik», eine diffizile Collage aus analogen und ...

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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 42
von Wolfgang Schreiber

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