Komplett verzettelt
Befehle werden singend erteilt, über Politik im Duett verhandelt», spöttelt der «Capriccio»-Graf über die Oper. Wer, so wie er, die Kunstform als «absurdes Ding» abtun will, macht sich nicht zuletzt gern über Sterbearien lustig: Der musikalisch nach Belieben gedehnte, expressiv ausgeschöpfte Moment ist es, der einer rein rationalen, also eingeschränkten Sichtweise am stärksten zuwiderläuft. Nun stirbt freilich keine der Hauptfiguren in «La clemenza di Tito».
Trotzdem gibt es in der Inszenierung durch Jan Lauwers sehr wohl ein Opfer zu beklagen: die neuartige «vera opera» mit psychologisch-musikalischer Charakterzeichnung, die Mozart auf Basis des vom Librettisten Mazzolà modernisierten Metastasio-Textes geschaffen hat. Auch Pablo Heras-Casado kann den Abend mit einer durchwachsenen Besetzung nicht vor Langeweile retten.
Dabei hat Lauwers, von Haus aus Choreograph, der Opernregie mit Mitgliedern seiner Needcompany in den letzten Jahren durchaus eigene und eigenwillige Impulse versetzt. Bei seinem Debüt mit Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» 2018 für Salzburgs intimes Haus für Mozart geschaffen und 2021 für die Wiener Staatsoper adaptiert, brachte er ein zwischen dem ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Walter Weidringer
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Die Metropolitan Opera feiert mit ihrer neuesten Wagner-Inszenierung einen dringend benötigten Punktsieg beim Publikum – und damit auch einen Erfolg der Finanzen. Lautstarker Jubel vor ausverkauftem Haus. Wie schon bei der vorherigen «Tristan»-Inszenierung – Mariusz Treliński lieferte sie 2016– verbindet Yuval Sharon bei seinem Debüt einige interessante Ideen mit...
Willkommen auf Schloss Almaviva!» So flimmert es flammend über den Videoscreen auf einer Wand mit bröckelndem Putz. Wir sind in einem andalusischen Museum, das schon bessere Tage gesehen hat. Konferenzstühle werden hereingeschleppt, man will einem Vortrag über alte Sitten und Gebräuche im einstigen Schloss lauschen. Noch während der Ouvertüre werden die in einer...
