Immer herrscht der Mann

Mozart: Le nozze di Figaro an der Oper Köln

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Willkommen auf Schloss Almaviva!» So flimmert es flammend über den Videoscreen auf einer Wand mit bröckelndem Putz. Wir sind in einem andalusischen Museum, das schon bessere Tage gesehen hat. Konferenzstühle werden hereingeschleppt, man will einem Vortrag über alte Sitten und Gebräuche im einstigen Schloss lauschen. Noch während der Ouvertüre werden die in einer Vitrine ruhenden historischen Ausstellungsstücke präsentiert: Ein Ehevertrag, wie er üblich war im späten 18.

Jahrhundert, eine Nadel, die heimliche Billetts versiegelte, eine weiße Haube mit altrosa Streifen, wie sie typisch war für Kammerzofen.

Der erste Akt von Katharina Thomas Inszenierung spielt in der unmittelbaren Gegenwart; im ehemals gräflichen Schloss zu Sevilla spiegeln sich Mozarts feudale Hierarchien im Machtgefälle heutiger Arbeitsbeziehungen. Johannes Leiackers durch Projektionen raffiniert wandelbarer Einheitsraum erzählt dezent vom Verfall des feudalen Systems, der ominöse Sessel, der in Mozarts «Figaro»-Handlung eine zentrale Rolle als Versteck spielt, ist marode und gerade in Reparatur. Figaro ist heute Haustechniker und hantiert mit der Schraubzwinge am wackelnden Sesselbein, die Kaffeemaschine röchelt, ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Regine Müller

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