Komm! Ins Offene, Freund!
Über Wolfgang Rihm zu schreiben – das haben die meisten der Publikationen, die sich darin versuchten, eindrücklich bewiesen –, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Einmal des gewaltigen Œuvres wegen, das einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart vorgelegt hat (rund 600 Werke umfasst die Liste), aber mehr noch, weil sich Rihm selbst in seinen Schriften seit den 1970er-Jahren als ein ebenso sprachmächtiger wie geistreicher Musikschriftsteller und -wissenschaftler auch in eigener Sache hervorgetan hat.
Der Philosoph Peter Trawny hat das (von ihm selbst als solches erkannte) Wagnis dennoch unternommen. Doch nicht in biografischer Form nähert sich Trawny dem Subjekt seines jahrelangen Interesses, sondern als Besucher in der Karlsruher Gelehrtenrepublik – vorausahnend, dass selbst die gewinnbringende Idee, mit Rihm ein Gespräch zu führen, «in einer Hinsicht ein fatales Unternehmen» sei: «Alles, was man fragen möchte, ja alles, was man sagen kann, hat er schon entweder in einem anderen Gespräch gesagt oder in einem seiner Texte besser ausgeführt.»
Gleichviel: Das Unterfangen gelingt, auf recht ungewöhnliche, sehr persönliche, zum Teil humorvolle, mitunter etwas ins ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jürgen Otten
Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...
Im September 2021 hatte der Altist und Regisseur Max Emanuel Cencic bei dem von ihm gegründeten Barockfestival im Bayreuther Markgräflichen Opernhaus Nicola Porporas «Polifemo» inszeniert. Die gleichzeitig entstandene Studioproduktion bestätigt nicht nur den Ausnahmerang des 1735 in Konkurrenz zu Händel in London uraufgeführten Werks, sondern ist eine der...
Nichts ist so, wie es zunächst scheint», so pointiert Russell Hepplewhite die Handlung seiner Kammeroper «The Crash», die im Februar 2024 als Auftragswerk im Oldenburgischen Staatstheater uraufgeführt wird. Damit charakterisiert der britische Komponist zugleich das darin thematisierte (Schein-)Wesen des weltweiten Finanzmarktes. Prominentestes Beispiel der jüngeren...
