Traumnovelle
Auf unserm Hof daheim hört man die Gänse schrein, kräht auch der Hahn»: Vielleicht ist es schon im tschechischen Original nicht unbedingt die erhabenste Poesie, die der verdiente Max Brod hier auf Deutsch nachgebildet hat.
Aber hört man die dazugehörige Musik in Jaromír Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» den Abend über als Leitmotiv eines ländlichen Idylls, vom Horneinsatz in der Ouvertüre bis zum letzten Finale, wo es als Grandioso die Partitur abschließt, verflüchtigen sich die Dünkel: Stattdessen überfällt einen das Heimweh nach Böhmens Hain und Flur – selbst dann, wenn die eigene Wiege anderswo gestanden haben mag. «Schwanda», 1927 uraufgeführt, ist eine Volksoper im wahrsten Sinne. Die rustikale Märchenhandlung bietet immer neue Gelegenheiten zu einem Hochfest böhmischer Musizierlust. Gleichsam salonfähig gemacht wird das durch Weinbergers handwerklich geschickte, klug-geschmeidige Verbindung von Polka und Furiant mit, sagen wir: Präludium und Fuge. Sein Werk, eine kreative Zusammenschau von Einst und Jetzt der tonalen Musik, ist voller Schwung, Sentiment und glänzend instrumentiert.
Es mag der reine Zufall gewesen sein, dass der gebürtige Prager Petr Popelka bei ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Walter Weidringer
Drei Mal «La Bohème» binnen einer Woche, kann man das aushalten? Oder nervt das dritte «Che gelida manina …» womöglich schon? Um gleich Entwarnung zu geben: Belastungstests dieser Art sind sogar ungemein erhellend, denn in der hohen Schlagzahl schält sich so etwas wie ein heißer Kern des Werks an sich heraus, der aus Momenten besteht, die immer funktionieren, weil...
Bergamo bebte. Gleich fünf neue Opernproduktionen sowie verschiedenartige weitere Formate, darunter die traditionelle Geburtstagsfeier für Donizetti am 29. November, bildeten einen würdigen Rahmen für die diesjährige Ausgabe des Festivals. Mit «LU OperaRave», einer Rave-Version von «Lucia di Lammermoor», an der einige der führenden europäischen Elektronikmusiker...
Vollendet das ewige Werk» – so verkündet es Wotan zu Beginn der zweiten Szene von «Rheingold», dem Vorspiel zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen». Geschätzte fünfzehn Stunden später, am Ende der «Götterdämmerung», liegt alles in Schutt und Asche. Da sitzt er nun wieder träumend in seinem Sessel, den Schlapphut auf dem Kopf, den (noch oder wieder) heilen Speer in...
