Koloraturen, Kuhglocken und Charaktersoprane
Beim Stichwort «Grüner Hügel» denken Opernkundige natürlich sofort an Bayreuth und die Richard-Wagner-Festspiele. Dabei gibt es noch ein weiteres großes Opernfestival in der süddeutschen Provinz, das auf einem grünen Hügel spielt: Das Immling Festival, das in der Nähe von Bad Endorf im Chiemgau in diesem Sommer immerhin auch schon zum 30. Mal stattfindet. Gespielt wird von Juni bis August in einer ehemaligen Reithalle auf dem Gutshof Immling. Nicht weniger als vier große Opern stehen in diesem Jahr auf dem Programm, dazu das Musical «Cats» und zahlreiche Konzerte.
Der Vergleich mit Bayreuth ist also keineswegs vermessen, denn auch das Immling Festival ist ein riesiges Unternehmen. Die ersten Proben finden bereits im Februar statt, ab April herrscht dann Hochbetrieb. Wie in Bayreuth sind Kollektive und Solo-Künstlerinnen und Künstler also den ganzen Sommer über vor Ort. Einige von ihnen wohnen – wie auch die Festspielgäste – im Endorfer Hof in Bad Endorf, der vom Festival-Chef betrieben wird. Dort fühlt man sich wie auf einer Chorfreizeit: Das Haus summt und brummt von Einsingübungen, Klarinetten-Tonleitern und Cello-Etüden.
Das Publikum erreicht den Gutshof nur mit einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 50
von Regine Müller
Wenn René Jacobs Oper dirigiert, ist die Überraschung nicht weit. Carl Maria von Webers «Freischütz» präsentierte er mit einem Prolog, den der Librettist Friedrich Kind zunächst vorgesehen hatte, den Weber aber verwarf; bei Georges Bizets «Carmen» wiederum entfiel die berühmte «Habanera», womit Jacobs – angeregt durch die neue Bärenreiter-Ausgabe – der Tatsache...
Barockopern liegen nicht einfach so herum, und nicht jeder findige Geist, der ein Stück in den Archiven entdeckt, kann es mal eben flugs auf irgendeine Bühne bringen. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass ausgerechnet Francesco Cavallis erstes Bühnenwerk «Le nozze di Teti e Peleo» bislang keine szenische Umsetzung erfuhr, obwohl doch die Aufführungsgeschichte...
Tja, so ist das, wenn Götter in Liebe (oder besser: in das, was sie darunter verstehen) entbrennen. Schwierig ist’s und ziemlich kompliziert. Vor allem dann, wenn diese Götter, um von sich selbst abzulenken, wie aus dem Nichts, verkleidet und geschlechtsverwandelt vor dem Subjekt ihrer ungeheuer -lichen erotischen Begierden auftauchen. So wie unser Freund Jupiter...
