Königstreffen
Irgendwann treibt es sie fast alle dahin, die im deutsch-lyrischen Fach sozialisierten Taminos und Belmontes. Als ob der Lohengrin eine natürliche Karrierefolge wäre, so trudeln früh die Angebote ein für den angeblich «italienischsten» aller Wagner-Helden. Daniel Behle hat den Gralsritter seit einiger Zeit im Repertoire und ihn zuletzt in Amsterdam (sehr gut) gesungen. Doch diesen Tenor treibt es weiter. Auf seiner 19. Solo-CD ist er erstmals als Tannhäuser zu erleben, mit der «Rom-Erzählung». Zehn Minuten Introspektion, alles ungewohnt zurückgenommen, intim und filigran.
Das Dokument eines zutiefst Zerknirschten, keines schwermetalligen Egomanen.
Das mag auch irritieren. Doch zugleich ist es das Dokument eines intelligenten Stimmbesitzers: Behle holt den Tannhäuser zu sich heran, versucht sich nicht, forcierend nach ihm zu strecken. Demnächst wird er die Partie auch auf der Bühne, nein: nicht stemmen, sondern tatsächlich gestalten, so viel darf nach diesem ersten Eindruck erwartet werden. Seine lyrische Vergangenheit (und Gegenwart!) spielt Behle in Lohengrins klug dosierter «Gralserzählung», vor allem in Stolzings Preislied aus. Und wer nun denkt, die Scheibe werde zum plumpen ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 24
von Markus Thiel
Jean-Marie Leclairs am 4. Oktober 1746 in der Pariser Académie royal de musique uraufgeführte Tragédie «Scylla et Glaucus» war ein schneidender Misserfolg und wurde trotz einer sofortigen Überarbeitung bereits zwei Monate später nach 18 Vorstellungen abgesetzt. Es sollte der einzige Ausflug des berühmten Geigers und Instrumentalkomponisten in die Oper bleiben. Erst...
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Ach, wie einfach wäre die Angelegenheit, würde man sich an das zugegeben kühne Theorem Markus Gabriels halten und behaupten, dass das, was allgemein mit dem Begriff «Welt» umschrieben wird, im Grunde gar nicht existiere. Nun ist es aber leider erstens nicht so, dass man diese Welt, verstanden als Ensemble stofflicher Gegenstände, ignorieren kann, und zum zweiten...
