Königliches Vergnügen
Als Ludwig XIV. ab 1661 ein altes Jagdschloss seines Vaters in eher sumpfig-fiebrigem Gelände zur Residenz ausbauen ließ, hatte das zwei Gründe. Er wollte, fern von Paris, den aufständischen Adel domestizieren, den er an den neuen Hof band. Und er wollte sich eine Kulisse seiner Herrschaft schaffen, die seinen Ruhm inszenieren, spiegeln, steigern und vor allem überdauern sollte. Das ist ihm gelungen. Versailles wurde zu seinem Symbol schlechthin.
Mehr denn je und noch perfekter in Szene gesetzt, seit die Königsresidenz vor einigen Jahren in eine GmbH umgewandelt wurde, die sich ihren Etat selbst verdienen muss. Die Sonne des alten Königs, nach allen, nicht immer subtilen Marketing-Regeln des Tourismus neu zum Glühen gebracht, strahlt über Versailles in größter Helligkeit.
Was lassen sich da erst für modische Synergien erzeugen, wenn sich zudem zwei Premiummarken zusammentun? So geschehen diesen Festival-Sommer zwischen der Feier- und Event-Abteilung von Versailles – ja, so etwas gibt es, hier vornehmer «Versailles spectacles» genannt – und dem nicht nur in Frankreich seine Klassiksparte zunehmend ausbauenden Label «Naïve». Dessen Vorzeigestück ist gegenwärtig die weltweit Furore ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 71
von Manuel Brug
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl...
