Epischer Klang
Wagners vierteiliges Bühnenfestspiel «Der Ring des Nibelungen» ist längst kein Privileg der großen Häuser mehr. Warum das so ist, erklärt der Lübecker Opernchef Roman Brogli Sacher ganz unbefangen so: «Als Dirigent bin ich glücklich, einmal im Leben diesen Zyklus gemacht zu haben.» Seine Kollegen denken ebenso, sagen es vielleicht nicht so offen.
Eine Aufführung der Tetralogie ist ein Prüfstein für die Leistungsfähigkeit eines Theaters und im Falle des Gelingens ein ausgezeichnetes Aushängeschild, das man nach Möglichkeit in Ton und Bild festhält, um es auch außerhalb der Stadt bewundern zu lassen.
Der jeweilige Regisseur sieht sich durch die ständig steigende Zahl an DVD-Mitschnitten von großen wie kleinen Bühnen leicht in Beweisnot gebracht. Oft ergeht es ihm dabei wie Mime bei seinem hilflosen Versuch, für Siegfried ein brauchbares Schwert zu schmieden. Die «Arbeit am Mythos» (Hans Blumenberg), die vor allem darin besteht, diesen Mythos für die eigene Zeit neu zu deuten, erfordert gründliche Geistesarbeit und nachschöpferische Fantasie. Das ist nicht jedem Regisseur in gleichem Maße gegeben. So drängt sich bei vielen Inszenierungen, die nach Chéreaus Bayreuther «Jahrhundert-Ring» ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 48
von Ekkehard Pluta
Zweimal Aufstieg und Fall eines Straßenmädchens, eines «leichten», wie man so sagt. Zwei französische Vorlagen. Zwei deutsche Opern. Zwei Komponisten derselben Generation. Zwei Ausgrabungen, die jetzt zu Recht auf CD erscheinen. Die Frage nach der sogenannten Repertoiretauglichkeit ist müßig und kann gleich mit Nein beantwortet werden. Weder Waltershausens «Oberst...
Im Zuge des Massenet-Revivals, dessen Anfänge der Enkel des Komponisten, Pierre Bessand-Massenet, in seinem Buch über den Großvater in den USA der 1970er-Jahre verortet, hat besonders ein Werk zunehmend an Bekanntheit gewonnen: die Märchen-
oper «Cendrillon», die 1899 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführt wurde. Spätestens seit ihrer Wiederaufnahme beim...
Normalerweise beginnt Wagners «Ring» damit, dass drei mehr oder weniger gut gebaute Damen in den Tiefen des Rheins einen Zwerg anmachen und sofort wieder abstoßen. Seit Patrice Chéreaus Deutung ist der Rhein oft vertrocknet oder einfach ein Bordell, was schade ist, aber der Musik nicht widerspricht. Wagner hat zwar die Entstehung des Lebens vom Nullpunkt (dem...
