Knisternde Stimmerotik

Mozart: La clemenza di Tito Nancy / Opéra de Lorraine

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Der neue «Titus» von Nancy (in Kooperation mit der Opera North, Leeds) ist vor allem ein musikalisches Ereignis. «Tout Paris» war angereist, um nach der queeren Sechs-Männer-Legende «Artaserse» am selben Ort Franco Fagiolis Sesto-Debüt zu erleben (Idamante folgt im November in London). Und der neue Superstar am Counter-Himmel enttäuschte nicht. Gleich die ersten beiden Duette bescherten das volle musikalische Glück.

Wunderbar charakteristisch harmonierte sein weicher, sinnlich vibrierender Mezzo mit Sabina Cvilaks schneidender Vitellia im Verschwörer- wie mit Yuri Mynenkos engelhaftem Annio im Freundschafts-Duett, das man gern da capo verlangt hätte. Schon hier deutete sich an, dass die Muse Polyhymnia ihre Hand über das Besetzungsbüro gehalten haben muss, als die ambitionierte Opéra de Lorraine das festspielwürdige Ensemble zusammenstellte: Jede Stimme (bis auf die des matten Publio) von unverkennbarem Timbre und starker Persönlichkeit – was in den Ensembles immer wieder zu überraschenden, utopisch-schönen oder dramatisch-sprechenden Klangmischungen führte.

Im «Parto» des Sesto ging dann die Saat einer minutiösen Detailarbeit am musikalischen und sprachlichen Text glorios auf. ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Boris Kehrmann

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