Kluger Klangrausch
In Riga hatten es die Werke des einstigen Kapellmeisters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Holländer» oder «Lohengrin» gab, so im «Konzept» russischer Ausstattungsopulenz. Nach der Unabhängkeit Lettlands im Jahr 1991 geriet die Nationaloper in einige Turbulenzen, seit 1996 steuert der Schauspieler und Regisseur Andrej Zagars das 1000-Plätze Haus.
Zagars krempelte die Oper komplett um, und die Auslastung stieg: Zu Sowjetzeiten lag sie bei etwa 60 Prozent, heute sind es fast 90 Prozent. Mit zehn Millionen Euro im Jahr muss die Oper wirtschaften, ein Drittel kommt durch Kartenverkäufe herein, 10 Prozent sind Sponsorengelder, der Staat gibt sechs Millionen Euro.
Trotz oder vielleicht gerade wegen des begrenzten Budgets möchte die Nationaloper nun groß punkten, wie in Stuttgart bringt man Wagners «Ring»-Tetralogie in vier unterschiedlichen szenischen Handschriften auf die Bühne. Den Auftakt machte in der letzten Spielzeit Stefan Herheims fulminantes «Rheingold» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin gehört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...
Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht...
So wie der Name Strawinskys ist auch der von Picasso eng mit den Ballets Russes verknüpft. Für Diaghilews Truppe entwarf der Maler eine Reihe von Ausstattungen: Sie begann mit «Parade» im Jahr 1917, und bereits dort war Picasso mehr als ausführendes Organ oder schlichter Bilderfinder. Stets vertrat er die Logik seiner Bilder auch dramaturgisch gegenüber der...
