Klug inszenierte Kopfgeburt
In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und ihrer Liebe zu Musik und Büchern zu gedenken.
Manfred Trojahn durfte mit seinem einstündigen Auftragswerk «Lettera amorosa» den Rokokosaal der Bibliothek auf gleich drei Ebenen bespielen, sechs Streicher und zwei Soprane verbreiteten wundersame Sphärenklänge, hauchten sich verzückt Liebesbriefe von Michelangelo und Rilke zu.
Tags zuvor erlebte eine Rarität ihre Wiederaufführung nach rund 240 Jahren: Christoph Martin Wielands und Anton Schweitzers Oper «Alceste». Dass es sich eingebürgert hat, den berühmten Dichter und Intellektuellen zuerst zu nennen, wird der Sache nicht ganz gerecht, denn Wielands Bearbeitung respektive Eindampfung der euripideischen Vorlage wirkt reichlich seltsam. Neben der sich für den todgeweihten Ehemann Admet opfernden Alceste treten ihre (von Wieland hinzuerfundene) Schwester Parthenia sowie der ...
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In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring...
Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung...
Noch bis vor kurzem galten die Bilder aus dem alten Russland oder wenigstens die Anmutungen einer brüchig tradierten Bürgerwelt als Garanten dafür, dass Tschaikowskys Lyrische Szenen zu Puschkins Versroman «Eugen Onegin» ihre Theaterpoesie entfalteten: Peter Stein hatte zuletzt in Lyon viel kunsthandwerkliche Präzision im bürgerlichen Realismus aufgeboten, Andrea...
