Selten schöne Sintflut
Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben laufend, wo Yves Abel dunkel lockende, glutvoll sich türmende Klänge in wohlfeile Bahnen lenkt.
Das todbringende Nass, es scheint die offenbar von den Präraffaeliten und Art-nouveau-Anhängern ersonnene, dabei nur mythische Bretagne-Stadt Ys unaufhaltsam untergehen zu lassen. Und das, weil wieder einmal zwei Frauen den gleichen Mann liebten: Mylio heißt der Ritter, dem Charles Castronovo tenorstählerne Attacke verleiht. Er hat eben die bereits anderwärtig bedrohte Stadt vor dem Angreifer Karnac (umdüstert: Franck Ferrari) gerettet. Und dafür möchte ihn jetzt die böse, ortrudhafte Königstochter Margared, aber auch ihre liebreizende Schwester Rozenn gern zum Mann haben. Der namenlose Königspapi (soigniert: Paul Gay) weiß nicht, wie er sich verhalten soll, und ruft erst mal den Stadtheiligen Saint Corentin (Eric Martin-Bonnet) um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor einhundert Jahren stemmte in Trier ein siebenundzwanzigjähriger Kapellmeister fast im Alleingang Wagners «Ring». Der junge Wilde hieß Heinz Tietjen und entfachte als Regisseur und Dirigent in Personalunion an der Mosel ein regelrechtes «Wagner-Fieber», wie die Lokalpresse damals vermerkte. Es war der Startschuss für eine Karriere, die ihn zum preußischen...
2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von...
«Ich bin Samiel, ihr habet Teil an mir. Ich bin durch euch und komm’ durch euch zur Tat. Ihr könnt mich sehen. Doch ihr wollt blind nur sein.» Regisseur Wolfgang Lachnitt und sein Dramaturg Bernhard Lenort haben dem Bösen neue Worte in den Mund gelegt. Damit wollen sie sich nicht interpretatorisch aufplustern, nein, die Texte sind einzig dazu gedacht, die krude...
