Kloster der Angst
Die Kasseler Erstaufführung von Francis Poulencs aus seiner Zeit, aus dem Œuvre seines Schöpfers und über weite Strecken aus dem Genre Oper überhaupt fallendem Musiktheater wurde zum Überraschungserfolg. Was Reinhild Hoffmann aus den «Dialogen der Karmeliterinnen» machte, war der Gegenpol zu einer Inszenierung, die das Stück als neukatholisches Mysteriendrama begreift. Statt numinose Nebel wallen zu lassen, hat die Choreografin das Geschehen auf seinen Kern reduziert.
Sie braucht lediglich ein paar Stühle, um die sparsame Handlung lebendig werden zu lassen, genauer: einen Holzstuhl für jede Nonne. Mehr an Mobiliar, mehr an Requisite ist nicht erforderlich, mehr braucht das Publikum auch nicht, um in einen psychologischen Verlauf hineingezogen zu werden, der zu den komplexesten gehört, die je das Licht der Opernbühne erblickten. Schöne Bilder entstehen in diesem Entwurf: Stühle im Kreis bei der Aufnahme Blanches in das strenge Kloster, Stühle in einer abgewinkelten Reihe bei der Einführung der neuen Priorin und – Höhepunkt, auf den alles zuläuft – Stühle, die zu den komponierten Schlägen der Guillotine in der Hinrichtungsszene am Ende einer nach dem anderen umgestoßen werden. Die ...
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