Rundum sorglos

Dirigenten, Sänger, und Produktionsteams im Paket: Private Agenturen gewinnen immer mehr Einfluss auf die künstlerische Arbeit öffentlich finan­zierter Opernhäuser. Ronald A. Wilford, Präsident der mächtigen ­Columbia Artists Management, wies den Weg. Heute teilen sich wenige Global Player das lukrative Geschäft, unter anderem die ehemalige Sportrechte-Firma IMG sowie der Musikkonzern Universal. Doch was für die Kasse der Karrierestrategen (und für bequeme Besetzungsbüros) gut ist, hat mitunter böse Folgen. Die falsche Partie zur falschen Zeit am falschen Ort kann selbst einem Star das Genick brechen. Und zwar dann, wenn nicht individuelle Physiologie und Reife, sondern der Markt über Repertoire und Auftrittsfrequenz entscheidet. Die chronische Krise des mexikanischen Startenors Rolando Villazón ist nur das prominen­teste Beispiel für eine letztlich kunstfeindliche Entwicklung. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen des Opernbusiness.

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Opernhäuser sind – zumindest in Deutschland – vom Staat hoch subventionierte Wirtschaftsbetriebe. Natürlich fließt hier als Umwegrentabilität durch die Ausgaben der Beschäftigten, der Gastkünstler und vor allem der Besucher ein Vielfaches an die Geldgeber zurück. Doch selbst ein so erfolgreiches Haus wie die Bayerische Staatsoper schafft kaum mehr als 30 Prozent seines Budgets als Einnahmeneigenleistung. Jeder Platz muss ­allabendlich mit bis zu mehreren hundert Euro unterstützt werden.

Von diesen Subventionen, die nur ein kleiner, aber einflussreicher Bruchteil der Gesellschaft nutzt, geht ein erklecklicher Bestandteil wiederum in die Taschen der Privatwirtschaft in Form von Vermittlungsgebühren an die Agenten, die dem Opernbetrieb sein wichtigstes Material liefern: Sänger, Dirigenten und seit einiger Zeit auch Produktionsteams.
Transparenz herrscht in diesem Bereich kaum, auch scheint die Branche das nicht einzufordern. Kaum ein Journalist interessiert sich für den Tagesbetrieb eines Opernhauses, insbesondere sein Herzstück: das Betriebs- und Castingbüro. Soweit der Einfluss der Deutschen Opernkonferenz reicht, gibt es zwar die immer wieder gern beschworene Gagenhöchstgrenze von ...

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Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 34
von Manuel Brug

Vergriffen
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