Klonbackmaschine
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten arbeiten – um es einmal so allgemein auszudrücken, wie es sich auf der Bühne darstellt.
Psychopharmaka, Cyberexperimente und finstere Operationen führen dazu, dass eine Generation nach der anderen verheizt wird, alles in den «WLHLL-Laboratories», die ihre Eigentumsrechte gern auch auf der Kleidung hervorheben. Analog zur «Ring»-Handlung läuft es nicht sehr gut mit der Forschung.
Jetzt ist es Siegfried, der sich kein Schwert schmiedet, sondern die Siegfried-Dateien knackt und seine Cyberbrille schließlich abnimmt. Da es keinen Ausweg aus dem verdammten Labor gibt, muss er sich im Folgenden mit ein paar Kunst -bäumen und buntem Schnee begnügen. Siegfried staunt und lächelt, die rührendste Szene des Abends. Selbst Außenseiter Fafner lässt in seiner Höhle fabrikmäßig klonen, und spät begreift man, dass die wackeligen Freias, ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Judith von Sternburg
Treffen sich zwei. Sie, eine ausgehungerte, nach (körperlicher) Liebe dürstende Frau, deren Leben aus Ennui und gemeiner Unterdrückung besteht. Er, eine Art lisny celovek, ein armer, in der sozialen Hierarchie weit untenstehender Tropf, dessen einziges Vergnügen in erotischer Vergiftung besteht. Wie zwei magnetisch aufgeladene Monaden prallen Katerina Ismailowa und...
Als Theodor W. Adorno in seiner 1962 publizierten «Einleitung in die Musiksoziologie» gleich zu Beginn, im Kapitel «Typen musikalischen Verhaltens», den durchaus ambitionierten Versuch unternahm, verschiedene Hörertypen zu definieren, wusste er selbst, dass diese Rubrizierung nur in einem idealtypischen Sinne und sehr allgemein, als eine Art «Mutmaßung» zu...
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...
