Klonbackmaschine

Wagner: Siegfried am Staatstheater Saarbrücken

Opernwelt - Logo

Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten arbeiten – um es einmal so allgemein auszudrücken, wie es sich auf der Bühne darstellt.

Psychopharmaka, Cyberexperimente und finstere Operationen führen dazu, dass eine Generation nach der anderen verheizt wird, alles in den «WLHLL-Laboratories», die ihre Eigentumsrechte gern auch auf der Kleidung hervorheben. Analog zur «Ring»-Handlung läuft es nicht sehr gut mit der Forschung.

Jetzt ist es Siegfried, der sich kein Schwert schmiedet, sondern die Siegfried-Dateien knackt und seine Cyberbrille schließlich abnimmt. Da es keinen Ausweg aus dem verdammten Labor gibt, muss er sich im Folgenden mit ein paar Kunst -bäumen und buntem Schnee begnügen. Siegfried staunt und lächelt, die rührendste Szene des Abends. Selbst Außenseiter Fafner lässt in seiner Höhle fabrikmäßig klonen, und spät begreift man, dass die wackeligen Freias, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Judith von Sternburg

Weitere Beiträge
Und dann leuchtet diese Welt plötzlich

Aparter Name. «Milchmanns Kaffeehaus», das klingt nach Behaglichkeit. Nach Poesie, vielleicht sogar nach Stille. Und genau so ist dieses unweit des S- und U-Bahnhofs Pankow gelegene Berliner Café auch. Unaufdringlich, hell, mit schlichten Holztischen, stabilen Küchenstühlen und mit großen Fensterscheiben, die das Sonnenlicht hereinlassen, sowie Menschen, die hier,...

Empfundene, Erlittenes, Erträumtes

Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...

Mit glücklicher Hand

Zu den ambitioniertesten Aufnahmeprojekten der jüngeren Zeit gehört die Gesamteinspielung all jener Werke Antonio Vivaldis, deren Handschriften vor gut hundert Jahren in den Besitz der Biblioteca Nazionale Universitaria in Turin gelangten: Es sind nicht weniger als rund 90 Prozent aller bekannten Autographen des Komponisten. Neben fast 300 Konzerten und zahlreichen...