Über allem ein zarter Schimmer
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Soirée im Hause Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueils, mit illustren Gästen, sämtlich kunstsinnige Feingeister wie die Gastgeberin selbst, die unter ihrem Pseudonym George Sand Eingang in die Literatur- und Musikgeschichte gefunden hat. Vorneweg, wie sollte es anders sein, Frédéric Chopin, der empfindsame Pianist und ihr (zeitweiliger) Lebenspartner, an seiner Seite Franz Liszt, Löwe der Salons, der auch in seinen Klavierstücken das Intime überwinden sollte.
Ihm gegenüber Alfred de Musset, wortmächtiger Dichter, Connaisseur und ebenfalls für einige Jahre Geliebter der Schriftstellerin. Schließlich ist da auch noch jene schillernde Sängerin und Komponistin, deren Aura, glaubt man den Berichten der Zeitzeugen, enorm gewesen sein muss – Pauline Viardot. Nun sitzen sie alle dort im Salon, bei Kerzenlicht und Champagner, führen gepflegte Konversation, sinnieren über das Leben, die Kunst und den Menschen, und von Zeit zu Zeit wird dazu noch der Érard-Flügel mit Klängen bestäubt, wenn Chopin oder Liszt sich dorthin bequemen, um ihre Finger über die Tasten tanzen zu lassen.
Sonya Yoncheva hatte diese filmreife Szene vor dem inneren Auge, als sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Virginie Germstein
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
Grisélidis» aus dem Jahre 1901 steht im Schatten vieler bekannterer Opern aus Massenets Feder. In der Tat scheint diese «Conte lyrique», also: «lyrische Erzählung», mit ihrem ins Mittelalter projizierten Traumbild von ehelicher Treue so überzeichnet, mit der Fokussierung auf den unbedingten Gehorsam der Ehefrau so altväterisch, dass schon vergangene Generationen...
Die Neuproduktion von «Pelléas et Mélisande» an der Pariser Nationaloper ruht fast ganz auf den Schultern beziehungsweise Gurgeln des Titelpaars. Sabine Devieilhe singt die Mélisande seit nunmehr zehn Jahren: konzertant (in Tourcoing 2015 und am Pariser Théâtre des Champs-Élysées 2018) und auch szenisch (Ende letzter Spielzeit mit großer Resonanz an der Bayerischen...
