Kleines Dorf, große Oper
Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten norwegischen Königs Harald I.
Aktuell lebt hier seit über 30 Jahren Eli Kristin Hannsveen, TV-Star, Popsängerin, Finalistin im letztjährigen Landesentscheid für den Eurovi -sions-Wettbewerb – und heute «jedem über 50 in diesem Land bekannt», wie sie selbstironisch anmerkt. Seit einigen Jahren wird nun in eben jenem kleinen Dorf, Røykenvik heißt es, am spektakulär schönen Seeufer, ein viertägiges Festival ausgerichtet. Denn Hannsveen hat eine zweite Karriere – sie ist auch Opernsängerin und am Opernhaus in Oslo seit vielen Jahren Teil des Ensembles. Sie ist der treibende Motor hinter dem Operafest Røykenvik. «Der Ort mag winzig sein», erklärt Bente Erichsen, Vorstandsmitglied des Festivals und schon immer sehr umtriebig, etwa als ehemaliges Mitglied des Nobelkomitees, TV-Produzentin und Chefin des Olympia-Kulturprogramms in ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Stephan Knies
Wir nehmen an, dass Jacquot nicht meinte, was er krähte: «Richard Wagner ist ein böser Mann». Denn Papageien sprechen ja quasi onomatopoetisch nach, was man ihnen regelmäßig vorsagt, und Minna Wagner hatte den bunten Vogel entsprechend instruiert. Wobei Richard in einem Brief vom 14. September 1858 an Minna spöttisch forderte, Jacquot solle sagen, Richard Wagner...
Christophe Rousset was here!» Nicht, dass dieser Dirigent optisch an die Figur auf dem Kilroy-Graffito erinnern würde – eher lässt er an die Grimm’sche Fabel vom Hasen und dem Igel denken. Denn wer immer in der Landschaft der Alten Musik vermeintliches Niemandsland betritt, mag im Geiste das «Ich bin schon da» des Franzosen hören. Auf seine hochgelobte Aufnahme von...
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst....
