Ein Gebilde von goldenem Glanz
Diese Musik, sagt Barbora Horáková im Programmheft-Interview, sei einfach der Wahnsinn. «Es gibt eine grandiose Nummer nach der anderen.» Damit legt die Regisseurin nicht nur für Orchester und Dirigenten die Messlatte fest, sondern auch für ihre Inszenierung. Überforderung ist das Signum des Werks – seines Helden, der im Lebensrausch alles aufs Spiel setzt; von dessen Zeitgenossen, die seinem Kampf um künstlerische Selbstbestimmung nicht zu folgen vermögen; und bis heute des Publikums, das im wahnwitzigen Tempo der Geschehnisse kaum einen rettenden Anker findet.
Der Plot ist eine Räuberpistole. Teresa, das jugendlich-liebenswürdige Töchterlein des päpstlichen Schatzmeisters und eingebildeten Kunstkenners Balducci, hat sich in den unbändigen Virtuosen Benvenuto Cellini verliebt und will nun der für sie vorgesehenen Ehe mit einem anderen Künstler, dem von Cellini verachteten, päpstlichen Bildhauer Fieramosca, entgehen. Selbstbewusst vorgetragene künstlerische Autonomie, auch gegenüber dem Papst, trifft hier auf Schranzentum. Oder grundsätzlicher gesagt: Es geht um die Macht der Kunst gegen die Kunst der Mächtigen. Das war Berlioz’ genuines, politisch aktuelles Thema, um das herum er ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Klaus Heinrich Kohrs
Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...
Die Oper aller Opern – es ist eine viel zitierte Platitüde zu Mozarts unverwüstlichem Wüstling. Das Stück ist aber schwer zu inszenieren und zu musizieren. Schon Johannes Brahms meinte, wolle man einen gelungenen «Don Giovanni» erleben, müsse man in die Partitur schauen. Ganz so schlimm kommt es im Schwetzinger Schlosstheater nicht, dem sommerlichen Spielort des...
Kein Sympathieträger, nirgends. Nur empathielose, machtgeile Ausgeburten einer verkommenen englischen Adelsgesellschaft. Drei der fünf Protagonisten bleiben auf der Strecke: der namenlose König, sein Lover Gaveston und sein entmachteter Militärexperte Mortimer, der wiederum Gaveston ermorden lässt, bevor er selbst umgebracht wird. Über körperliche und seelische...
