Ein Gebilde von goldenem Glanz
Diese Musik, sagt Barbora Horáková im Programmheft-Interview, sei einfach der Wahnsinn. «Es gibt eine grandiose Nummer nach der anderen.» Damit legt die Regisseurin nicht nur für Orchester und Dirigenten die Messlatte fest, sondern auch für ihre Inszenierung. Überforderung ist das Signum des Werks – seines Helden, der im Lebensrausch alles aufs Spiel setzt; von dessen Zeitgenossen, die seinem Kampf um künstlerische Selbstbestimmung nicht zu folgen vermögen; und bis heute des Publikums, das im wahnwitzigen Tempo der Geschehnisse kaum einen rettenden Anker findet.
Der Plot ist eine Räuberpistole. Teresa, das jugendlich-liebenswürdige Töchterlein des päpstlichen Schatzmeisters und eingebildeten Kunstkenners Balducci, hat sich in den unbändigen Virtuosen Benvenuto Cellini verliebt und will nun der für sie vorgesehenen Ehe mit einem anderen Künstler, dem von Cellini verachteten, päpstlichen Bildhauer Fieramosca, entgehen. Selbstbewusst vorgetragene künstlerische Autonomie, auch gegenüber dem Papst, trifft hier auf Schranzentum. Oder grundsätzlicher gesagt: Es geht um die Macht der Kunst gegen die Kunst der Mächtigen. Das war Berlioz’ genuines, politisch aktuelles Thema, um das herum er ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Klaus Heinrich Kohrs
Alexander Sergejewitsch Dargomyschski (1813–1869) war einer der wichtigsten russischen Komponisten, eine Art Brückenbauer zwischen den Komponisten des «Mächtigen Häuflein» und Michail Glinka. Als Teenager erhielt er dessen Segen, und dieser «kleine Mann, [...] der mit einer schrillen Sopranstimme sprach» (Glinka), wurde nicht nur zum Autor der schönsten und weithin...
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst....
Olivier Messiaens drei Liederzyklen sind selten zu hören und gehören alle zum Frühwerk, das vor seiner Wende zum Serialismus entstand. Er verabschiedete sich dabei von Einflüssen des Impressionismus und des Neoklassizismus und fand zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache. Zwei der Zyklen hat die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan, die ihre künstlerischen...
