Ein Gebilde von goldenem Glanz

Barbora Horáková plädiert in Berlioz’ «Benvenuto Cellini» an der Dresdner Semperoper für die Autonomie der Kunst, Giampaolo Bisanti durchleuchtet die Partitur mit Grandezza

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Diese Musik, sagt Barbora Horáková im Programmheft-Interview, sei einfach der Wahnsinn. «Es gibt eine grandiose Nummer nach der anderen.» Damit legt die Regisseurin nicht nur für Orchester und Dirigenten die Messlatte fest, sondern auch für ihre Inszenierung. Überforderung ist das Signum des Werks – seines Helden, der im Lebensrausch alles aufs Spiel setzt; von dessen Zeitgenossen, die seinem Kampf um künstlerische Selbstbestimmung nicht zu folgen vermögen; und bis heute des Publikums, das im wahnwitzigen Tempo der Geschehnisse kaum einen rettenden Anker findet.

Der Plot ist eine Räuberpistole. Teresa, das jugendlich-liebenswürdige Töchterlein des päpstlichen Schatzmeisters und eingebildeten Kunstkenners Balducci, hat sich in den unbändigen Virtuosen Benvenuto Cellini verliebt und will nun der für sie vorgesehenen Ehe mit einem anderen Künstler, dem von Cellini verachteten, päpstlichen Bildhauer Fieramosca, entgehen. Selbstbewusst vorgetragene künstlerische Autonomie, auch gegenüber dem Papst, trifft hier auf Schranzentum. Oder grundsätzlicher gesagt: Es geht um die Macht der Kunst gegen die Kunst der Mächtigen. Das war Berlioz’ genuines, politisch aktuelles Thema, um das herum er ...

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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Klaus Heinrich Kohrs

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