Ein Gebilde von goldenem Glanz
Diese Musik, sagt Barbora Horáková im Programmheft-Interview, sei einfach der Wahnsinn. «Es gibt eine grandiose Nummer nach der anderen.» Damit legt die Regisseurin nicht nur für Orchester und Dirigenten die Messlatte fest, sondern auch für ihre Inszenierung. Überforderung ist das Signum des Werks – seines Helden, der im Lebensrausch alles aufs Spiel setzt; von dessen Zeitgenossen, die seinem Kampf um künstlerische Selbstbestimmung nicht zu folgen vermögen; und bis heute des Publikums, das im wahnwitzigen Tempo der Geschehnisse kaum einen rettenden Anker findet.
Der Plot ist eine Räuberpistole. Teresa, das jugendlich-liebenswürdige Töchterlein des päpstlichen Schatzmeisters und eingebildeten Kunstkenners Balducci, hat sich in den unbändigen Virtuosen Benvenuto Cellini verliebt und will nun der für sie vorgesehenen Ehe mit einem anderen Künstler, dem von Cellini verachteten, päpstlichen Bildhauer Fieramosca, entgehen. Selbstbewusst vorgetragene künstlerische Autonomie, auch gegenüber dem Papst, trifft hier auf Schranzentum. Oder grundsätzlicher gesagt: Es geht um die Macht der Kunst gegen die Kunst der Mächtigen. Das war Berlioz’ genuines, politisch aktuelles Thema, um das herum er ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Klaus Heinrich Kohrs
Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich...
Vor zwei Spielzeiten wurde an der Pariser Opéra Comique Glucks «Armide» aufgeführt – mit dem Originalklangensemble Les Talens Lyriques unter Leitung von Christophe Rousset und in einer Inszenierung durch Lilo Baur. Das gleiche Team verantwortete nun die «Armide» von Jean Baptiste Lully. Nachdem die Schweizer Regisseurin bereits 2022 für ihren übertriebenen...
Die beiden Vivaldi-Opern, die im Juni in Venedig und Paris aufgeführt wurden, spiegeln in ihren Inszenierungen zwei ganz unterschiedliche Arten, wie Barockoper heute gezeigt werden kann: modernisiert oder eher klassisch. Welcher Ansatz trifft besser? Antonio Vivaldi jedenfalls schrieb seine Dramme in musica mit einer gewissen Lässigkeit. Es war nicht ungewöhnlich,...
