Tod, da ist kein Stachel!
Aparte Idee: die Welt nicht als Buch oder philosophischer «Fall», sondern als Bauch, in ihrer Kugelgestalt würdig vertreten vor allem von einem Mann: Sir John Falstaff. Wuchtige zwei Yard misst sein Wanst, das muss genügen, um sich jeder Unbill couragiert entgegenzustellen oder, im Zweifelsfall, auch entgegenzuwerfen. Und wenn dann auch noch spanischer Sekt (wie Schlegel weiland den Namen des englischen Getränks «sack» poetisch ins Deutsche übertrug) fließt, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Der Schampus vertreibt alle Sorgen und auch jene Melancholie, von der Falstaff bewohnt wird. Er löst die Zunge, befördert den Witz, ohne den die Welt auch für den Ritter von Shakespeares Gnaden gewiss nicht die beste aller möglichen wäre, und verwandelt den Possenreißer in jenen Lebemann, der er, zumindest nach eigener Anschauung, ist – nachzulesen im Monolog aus Shakespeares «King Henry IV», den Arrigo Boito in sein Libretto für Verdis letzte Oper übernommen hat.
Klaus Reichert nennt den Ritter in seiner blitzgescheiten Studie «Der fremde Shakespeare» einen Anti-Illusionisten. Ein «Virtuose des Opportunen» sei er, ein Mann, dessen Wesen aus Wahrheit und Substanz besteht – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten und Peter Krause
Die Liebe hat viele tausend Farben – das gilt auch für Carl Heinrich Grauns Musik zur Oper «Adriano in Siria». Der Hofkapellmeister Friedrichs II. vertonte ein Libretto von Pietro Metastasio wie Dutzende vor und nach ihm. Rund 70 Versionen des Stoffes sind überliefert, die bekanntesten stammen von Johann Adolph Hasse und Giuseppe Scarlatti. Graun schwelgt in...
Noch unter der ehemaligen Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz war die Neuproduktion von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» geplant worden. Wegen der Pandemie verschob sich die Premiere nun bis nach dem Wechsel der Dirigentin ans Konzerthaus Berlin. Der Qualität des Abends tat dies indes keinen Abbruch: Unter der stilsicheren Leitung von Björn Huestege...
Bernhard Lang gehört heute zu den originellsten, aber auch verstörendsten Komponisten der Gegenwart. Vor allem mit seinen zahlreichen Musiktheaterwerken hat der Österreicher Furore gemacht. Seine jüngste, im März 2024 in Stuttgart uraufgeführte Oper «Dora» feierte mit sechs ausverkauften Vorstellungen einen sensationellen Publikumserfolg. Lang ist ein Nomade des...
