Tod, da ist kein Stachel!

Letzte Dinge bei Verdi: Würzburg zeigt einen (nicht nur) quietschbunten «Falstaff», Hannover eine hoffnungsfrohe «Messa da Requiem»

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Aparte Idee: die Welt nicht als Buch oder philosophischer «Fall», sondern als Bauch, in ihrer Kugelgestalt würdig vertreten vor allem von einem Mann: Sir John Falstaff. Wuchtige zwei Yard misst sein Wanst, das muss genügen, um sich jeder Unbill couragiert entgegenzustellen oder, im Zweifelsfall, auch entgegenzuwerfen. Und wenn dann auch noch spanischer Sekt (wie Schlegel weiland den Namen des englischen Getränks «sack» poetisch ins Deutsche übertrug) fließt, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Der Schampus vertreibt alle Sorgen und auch jene Melancholie, von der Falstaff bewohnt wird. Er löst die Zunge, befördert den Witz, ohne den die Welt auch für den Ritter von Shakespeares Gnaden gewiss nicht die beste aller möglichen wäre, und verwandelt den Possenreißer in jenen Lebemann, der er, zumindest nach eigener Anschauung, ist – nachzulesen im Monolog aus Shakespeares «King Henry IV», den Arrigo Boito in sein Libretto für Verdis letzte Oper übernommen hat.

Klaus Reichert nennt den Ritter in seiner blitzgescheiten Studie «Der fremde Shakespeare» einen Anti-Illusionisten. Ein «Virtuose des Opportunen» sei er, ein Mann, dessen Wesen aus Wahrheit und Substanz besteht – ...

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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten und Peter Krause

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