Kleine, große Welt
Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige, kulturhistorisch bedeutsame, mittlerweile freilich fest im merkantil-touristischen Griff befindliche Lokal nachgebaut: ein spektakulär realistisches Einheitsbühnenbild.
Animierte Videos (Roman Hagenbrock) simulieren hinter den Fensterfronten den Blick in die Herrengasse. Das Kaffeehaus als kleine Welt, in der die große ihre Probe hält? Steht der zum Kommerz verkommene Kult um das Getränk für einen alten, schal gewordenen Glauben? Was entwickelt sich als Alternative dazu – Cold-Brew-Muckefuck-Latte? Religionen und Lebensentwürfe prallen tatsächlich aufeinander in Händels «Theodora», seinem vorletzten, handlungsarmen und 1750 in London bald abgesetzten Oratorium rund um eine christliche Märtyrerin: Selbst angedrohte Vergewaltigung und Tod bringen sie nicht vom Glauben ab. Wie bringt man dergleichen auf die Bühne? Regisseur ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Walter Weidringer
Glucks letzte für Paris geschriebene Oper «Écho et Narcisse» war nach fünf vorausgegangenen Triumphen ein schneidender Misserfolg. Das am 24. September 1779 an der Académie Royale de Musique uraufgeführte Drame lyrique entsprach so gar nicht den Erwartungen, mit denen man vier Monate nach der triumphalen Premiere von «Iphigénie en Tauride» einem neuen Werk des...
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
Wo bist du, mein gelobtes Land, /Gesucht, geahnt und nie gekannt? Ich wandle still und wenig froh, / Und immer fragt der Seufzer: wo? / Es bringt die Luft den Hauch zurück: ‹Da, wo du nicht bist, dort ist das Glück!› So heißt es, unter drängender Achtelbegleitung, in Franz Schuberts «Der Wanderer» – ein Lied, so vergeblich nach Licht drängend wie ein...
