Klassenkampf light
Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof etablierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln. Die Meisterkurse, diesmal von der Sopranistin Melanie Maennl angeboten, sind darum ebenso wichtig wie die Bühnenproduktionen. Und es ist gut, dass der neue Intendant Georg Quander konsequent auf Raritäten setzt.
Mit «Carmen», «Traviata» oder «Freischütz», wie sie sein Vorgänger Frank Matthus programmierte, sind Berufsanfänger fast automatisch bei ihren ersten Stadttheaterengagements konfrontiert. Aber Domenico Cimarosas «Gli Orazi e i Curazi» und Friedrich von Flotows «Martha» kennenzulernen, dafür bot ihnen Rheinsberg in diesem Sommer die wohl einmalige Gelegenheit.
Das «Martha»-Ensemble hatte dabei doppeltes Glück, denn Dirigent Florian Ludwig liebt die von Puristen gerne abschätzig betrachtete Spieloper wirklich und vermochte seine Begeisterung für das Genre auf seine Schützlinge zu übertragen. Ludwig hat ein äußerst ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Frederik Hanssen
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy...
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