Reichlich prätentiös

Kats-Chernin: Whiteley
Sydney | Opera Australia

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Gutes Musiktheater spult Ereignisse nicht einfach ab – ein Meisterwerk kommt erst zustande, wenn es emotionale Wucht entfaltet. Dass die nötigen Zutaten in den konfliktgespickten Lebensläufen berühmter Maler schon bereitliegen, hat etwa Hindemith am Beispiel Matthias Grünewalds («Mathis der Maler») gezeigt. Jetzt befasste sich in Sydney ein neuer Zweiakter von Elena Kats-Chernin mit dem australischen Künstler Brett Whiteley. An der Leinwand ein Inspirator, in der Lebensführung destruktiv – die Mischung hat zweifellos Opernpotenzial. Leider liegt es in «Whiteley» weitgehend brach.

Ein Teil des Problems besteht darin, dass Librettist Justin Fleming dem Spannungsfeld von Ruhmesrausch und Drogentod im Stil einer TV-Dokumentation Herr zu werden sucht: rasche Szenenfolgen, vollgestopft mit biografischen Fakten. Mitunter wirkt die Auswahl reichlich prätentiös. Dass die Tate Gallery in London ein Bild kauft oder Whiteleys Mutter die Queen treffen kann, sind zum Beispiel bloß Erfolgssymptome. Sie rücken die Figuren keinen Deut näher.

Texte mit Mängeln haben gute Komponisten natürlich noch nie aufgehalten: Verdi, Strauss oder Janáček lassen uns schwache Vorlagen immer wieder vergessen. Auch ...

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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 67
von John Carmody

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