Reichlich prätentiös
Gutes Musiktheater spult Ereignisse nicht einfach ab – ein Meisterwerk kommt erst zustande, wenn es emotionale Wucht entfaltet. Dass die nötigen Zutaten in den konfliktgespickten Lebensläufen berühmter Maler schon bereitliegen, hat etwa Hindemith am Beispiel Matthias Grünewalds («Mathis der Maler») gezeigt. Jetzt befasste sich in Sydney ein neuer Zweiakter von Elena Kats-Chernin mit dem australischen Künstler Brett Whiteley. An der Leinwand ein Inspirator, in der Lebensführung destruktiv – die Mischung hat zweifellos Opernpotenzial. Leider liegt es in «Whiteley» weitgehend brach.
Ein Teil des Problems besteht darin, dass Librettist Justin Fleming dem Spannungsfeld von Ruhmesrausch und Drogentod im Stil einer TV-Dokumentation Herr zu werden sucht: rasche Szenenfolgen, vollgestopft mit biografischen Fakten. Mitunter wirkt die Auswahl reichlich prätentiös. Dass die Tate Gallery in London ein Bild kauft oder Whiteleys Mutter die Queen treffen kann, sind zum Beispiel bloß Erfolgssymptome. Sie rücken die Figuren keinen Deut näher.
Texte mit Mängeln haben gute Komponisten natürlich noch nie aufgehalten: Verdi, Strauss oder Janáček lassen uns schwache Vorlagen immer wieder vergessen. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 67
von John Carmody
In Shakespeares «Henry V» heißt es: «The empty vessel makes the greatest sound» – ein leerer Topf tönt am lautesten. Natürlich darf man dabei an aktuelle politische Ereignisse denken; dass sich freilich immer wieder Mehrheiten finden, die Politclowns ernst nehmen und wählen, ist so erstaunlich wie unheimlich. Ob Satire helfen kann, den Pessimismus zu mindern? Wie...
Die Idee ist bezwingend charmant und poetisch. Ein «organisierter Traum» sollen die Salzburger Festspiele nach dem Willen ihres Intendanten Markus Hinterhäuser sein, und ebenso eine «Education sentimentale» aus dem Geiste Flauberts. Ein hoher Anspruch, der sich im Grunde nur dialektisch lösen lässt im Angesicht der in diesem Jahr programmierten Bühnenwerke. Vieles...
Wenn man bedenkt, dass das Glimmerglass Festival 1975 bloß eine «Bohème» in der örtlichen High School war, hat sich die Kompanie enorm entwickelt. Stramm voran ging es insbesondere nach dem Bau des Alice Busch Theaters am Seeufer 1987: Man traute sich mehr in Sachen Repertoire, wagte Ur- und Erstaufführungen, erkundete Cavalli, Händel, Gluck. Längst beeindruckt die...
