Reichlich prätentiös
Gutes Musiktheater spult Ereignisse nicht einfach ab – ein Meisterwerk kommt erst zustande, wenn es emotionale Wucht entfaltet. Dass die nötigen Zutaten in den konfliktgespickten Lebensläufen berühmter Maler schon bereitliegen, hat etwa Hindemith am Beispiel Matthias Grünewalds («Mathis der Maler») gezeigt. Jetzt befasste sich in Sydney ein neuer Zweiakter von Elena Kats-Chernin mit dem australischen Künstler Brett Whiteley. An der Leinwand ein Inspirator, in der Lebensführung destruktiv – die Mischung hat zweifellos Opernpotenzial. Leider liegt es in «Whiteley» weitgehend brach.
Ein Teil des Problems besteht darin, dass Librettist Justin Fleming dem Spannungsfeld von Ruhmesrausch und Drogentod im Stil einer TV-Dokumentation Herr zu werden sucht: rasche Szenenfolgen, vollgestopft mit biografischen Fakten. Mitunter wirkt die Auswahl reichlich prätentiös. Dass die Tate Gallery in London ein Bild kauft oder Whiteleys Mutter die Queen treffen kann, sind zum Beispiel bloß Erfolgssymptome. Sie rücken die Figuren keinen Deut näher.
Texte mit Mängeln haben gute Komponisten natürlich noch nie aufgehalten: Verdi, Strauss oder Janáček lassen uns schwache Vorlagen immer wieder vergessen. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 67
von John Carmody
Der Bach-Biograf Philipp Spitta verglich Spontinis «Olimpie» mit Wagners «Ring». Und das erscheint als nicht zu hoch gegriffen, denn der Komponist treibt in diesem so monströsen wie düsteren Werk, seiner letzten französischen Tragédie-lyrique, den Monumentalstil des Klassizismus zu einer dramatischen Ausdrucksintensität, die weit in die Zukunft weist – die...
Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof etablierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln....
WAGNERSPECTRUM
Heft 1/2019 (15. Jahrgang) – Schwerpunkt: Siegfried Wagner
Königshausen & Neumann, Würzburg 2019; 352 Seiten, 24 Euro
Zum 150. Geburtstag Siegfried Wagners gratulierte Bayreuth mit zwei Aufführungen seiner Oper «An allem ist Hütchen schuld» (im Markgräflichen Opernhaus) sowie mit der Uraufführung «Siegfried» von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel (in...
