Empfundene, Erlittenes, Erträumtes

Rasch: Die wunderbaren Jahre am Theater Regensburg

Opernwelt - Logo

Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind das, mehr ginge auch nicht im kleinen Theater am Haidplatz.

Und sie sind sehr angemessen für die Vorlage, die hier zu einer Oper wurde: Reiner Kunzes Buch «Die wunderbaren Jahre» versammelt Schlaglichter des ostdeutschen Sozialismus: Erzählungen, Berichte, Selbsterlebtes vor allem aus Kinder- und Jugendjahren, knapp und lakonisch aufgeschrieben, Absurditäten des Alltags (die Nickelbrille als «imperialistischer Modeeinfluss») bis hin zum Schießbefehl und zur Erhängung mit der eigenen Unterhose im Gefängnis. Ein Destillat der DDR, kommentarlos – und vielleicht deshalb umso gefährlicher für die Führung, die Mitte der 1970er-Jahre eine Revolutionsschrift witterte.

Torsten Rasch, 1965 in Dresden geboren, Kruzianer, auch Filmmusiker, seit 2008 zudem Opernkomponist («Rotter»), dürfte seine eigenen Erfahrungen mit der Welt hinter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
«Ich lebe nicht für die Oper – ich lebe, um glücklich zu sein»

Frau Zaharia, Ihr Weg zur Oper scheint nicht der geradlinigste gewesen zu sein. Sie haben als Pianistin begonnen und wollten dann Musikwissenschaftlerin werden. Singen war nur die dritte Option?
Und Oper die vierte. Ich habe sechzehn Jahre Klavier gelernt und ein Lehrdiplom erworben, darf also unterrichten – hoffentlich kommt es niemals dazu (lacht) … Das...

Klang der Entsagung

Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles...

Kinder, spukt weiter!

Im Quartett der Rhein-Main-Theaterstädte Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Mainz kann letztgenannte dank Neugier und Vielfalt künstlerisch und spielplanerisch gut mithalten. Auf hessischer Seite fusionierte die Ballett -sparte von Wiesbaden mit Darmstadt; dem Mainzer Tanzensemble gelingt seit der Ära Martin Schläpfer und spätestens seit der vertanzten «Tanzsuite...