Höhenfieber
Rossinis Tenorpartien galten lange Zeit als beinahe unsingbar: sehr hoch und überaus virtuos, mit einer an Verdi oder Puccini geschulten Stimme kaum oder gar nicht zu realisieren und auch für typische Mozartsänger weitgehend unzugänglich. Zu den spannenden Entwicklungen im Operngesang der letzten Jahrzehnte gehören die vielen ambitionierten Versuche von Tenören wie Rockwell Blake, William Matteuzzi oder Bruce Ford, stimmliche Wege zur Erschließung dieses Repertoires zu suchen und zu finden.
Lawrence Brownlee gehört bereits zur nächsten Generation der Rossini-Tenöre.
Die technische Meisterung der anspruchsvollen Partien ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, sie wird, anders als noch bei Rockwell Blake, nicht hörbar ausgestellt, sondern ist integraler Bestandteil des künstlerischen Vortrags. Auch aufführungspraktische Aspekte sind Brownlee wohlvertraut: Er weiß, wo Appoggiaturen zu setzen sind, er kennt die Freiräume, die Rossinis Musik bietet, und weiß sie mit Geschmack auszufüllen.
Brownlees wunderbar weiche Stimme ist hell timbriert, dabei etwas dunkler und runder als die von Juan Diego Flórez. Doch im Unterschied zu seinem peruanischen Kollegen fehlt Brownlee die ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Thomas Seedorf
Arie, Duett, Ensemble. Liebe und Verrat. Staatsaffären und private Seelenpein. Der Plot von James MacMillans erster Oper «Inés de Castro» – 1996 uraufgeführt und von manchen als die schottische Antwort auf «Peter Grimes» gepriesen – könnte geradewegs aus Donizettis Zeiten kommen, so vorgestrig wirkt er. Auch musikalisch nimmt MacMillan Anleihen in der...
Sie sind schon da, als die Pauke und drei Dissonanzen den Reigen folgenschwerer Missverständnisse eröffnen. Rogoschin, der Dandy. Nastassja, die Umschwärmte. Lebedjew, der Strippenzieher. Und die anderen traurigen Gestalten, die in einem schäbigen Salon fröstelnd darauf warten, dass endlich was passiert. Dass jemand eintritt und die Starre löst, die auf den...
Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder...
