Kind geblieben
Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein Problem: Sie machen meistens die Rechnung ohne den Wirt. Die Musik kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.
Heutzutage ist es ja außerdem so: Wenn man die ethischen Botschaften eines Stücks zu deutlich inszeniert, reagieren die Leute verschnupft.
Wie kann das sein? Die Operngänger müssten doch längst konditioniert sein auf eine zeitgemäße Stückbefragung ...
Na ja, dieses Publikum stirbt aus. Jetzt sitzen da diese EventJünger, VIP-Personen ohne richtiges Hintergrundwissen. Boris Becker finde ich toll, doch so einer ist früher meines Wissens nicht in die Oper gegangen. Auch Angela Merkel geht seit Längerem nach Bayreuth und fand kürzlich Wolf Biermann ganz nett. Vielleicht würde sie mich mittlerweile auch umarmen ... Wobei ich zugebe, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf.
Ge ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten...
Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben....
Jubilare
Er wurde am 10. Januar 1935 auf einer Milchfarm in einem Vorort von Chicago geboren und lernte dank der frühen Förderung durch seine musikalische Mutter schon als Kind Klavier, Geige, Bratsche, Kontrabass, Klarinette und Tuba. Sherrill Milnes studierte u. a. an der Drake University Musikpädagogik und wollte ursprünglich Lehrer werden, bevor er an...
