Ein Fest des totalen Theaters
Sterbehilfe am laufenden Band: Müde Menschen stehen Schlange beim industriellen Töten auf Verlangen. Hilfskräfte stülpen ihnen milchblaue Kittel über. Dann gibt es einen elektrischen Schlag, sie fallen auf einen Haufen. Dieser Schlachthof in Rom ist eine Goldgrube, die Nachfrage größer als das Angebot. Unter den Wolken muss die Müdigkeit grenzenlos sein. Die Wirtschaft zerriss alle Skrupel. Leben ist Ware, Tod ist Ware, Zukunft ist von Hoffnung leer.
Peer Gynt ist hierhergekommen, der Virtuose des Optionshandels, reich geworden im globalen Geschäft mit zeitvernichtendem Geld. Er will den Schlachthof kaufen. Dann müsse er töten können, sagt ihm der Schlachter und drückt ihm eine Pistole in die Hand. Peer schießt. Die Schüsse sind penibel in der Partitur ausnotiert. Und während Peer als neuer Messias den Mühseligen und Beladenen ihr Joch von den Schultern knallt, hebt in den Streichern des Orchesters eine weitgeschwungene Kantilene an, die man schon im Vorspiel dieser Oper gehört zu haben glaubt: atmosphärisch eine Welt wie aus Wagners «Parsifal».
Hochkomplex sind die Bezüge, die der Komponist und Librettist Jüri Reinvere allein schon in dieser Szene seiner Oper «Peer Gynt» ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jan Brachmann
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