Apropos... Macht des Marktes
Frau He, Sie sind eine der ganz wenigen Chinesinnen, die es im internationalen Opern-Business bis ganz nach oben geschafft haben. Nur in Peking selbst sind Sie kaum präsent ...
Stimmt, ich bin China nicht so bekannt. Meine Karriere hat sich seit meinem Debüt an der Wiener Volksoper 2004 vor allem im Westen entwickelt. Ich bin es gewohnt, als einzige asiatische Sängerin in einem Stück auf der Bühne zu stehen. Was kein Problem für mich darstellt, denn unsere Sprache, die Oper, ist für alle Sänger universell. Wir sind alle gleich fremd oder gleich vertraut damit.
Sie waren lange Jahre auf «Madama Butterfly» abonniert: eine Japanerin. Ist das nicht heikel, womöglich sogar verletzend für Sie? Schließlich gibt es enorme Unterschiede zwischen China und Japan.
Das ist tatsächlich nicht ganz unproblematisch. Aber die Rolle liegt gut für mich, denn Chinesisch und Japanisch liegen kulturell doch immer noch relativ nah beieinander. Wenn ich Cio-Cio-San nicht mehr oft singen möchte, liegt das daran, dass sie gefährlich für die Stimme ist. Und zwar aufgrund des vielen Parlando. «Madame Butterfly» ist ein japanischer Marathon. Ich habe die Partie bis heute ungefähr 175-mal gesungen – und lehne ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Kai Luehrs-Kaiser
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht. Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in...
Es heißt ja immer, Sänger seien so entsetzlich dumm. Ich will auch gern zugeben: Nicht jeder Kollege ist so helle, dass man eine Sonnenbrille braucht. Trotzdem ist das Klischee nicht fair. Viele Sänger, die ich kenne – vor allem viele Sänger, die ich nicht bloß kenne, sondern auch mag – waren auf der Uni. Nicht, um Gesang zu studieren. Vier sind fähige...
Die Kuppel über der Bühne in der Londoner Wigmore Hall, dem inoffiziellen Mekka des Liedgesangs, ziert eine sympathisch kunstgewerbliche Allegorie der Künste, wobei die zentrale Figur die Seele der Musik symbolisiert und der Feuerball über ihr den Genius der Harmonie versinnbildlicht. Das Bild hat sich bei vielen Besuchen so selbstverständlich in die Erinnerung...
