Keine Angst vorm Fliegen
Frau Sun, ist Musik sui generis politisch? Oder doch «nur» eine Bewohnerin der glückseligen Ästhetik-Insel?
Das ist meines Erachtens eine eher rhetorische Frage, denn Sie wissen es sicher bereits: Für mich ist Musik definitiv keine Bewohnerin der Insel der Glückseligen. Gleiches gilt für mich selbst sowie das Leben um mich herum. Musik ist naturgemäß immer auch politisch – wir bemerken es nur in Europa kaum, da wir unsere Meinung jederzeit frei äußern dürfen.
In kommunistisch oder faschistisch oder versteckt totalitär regierten Staaten wird jedoch auch heute, zu dieser Sekunde, jede noch so harmlose Äußerung eines jeden Künstlers kontrolliert.
Gerade die neue Musik fristet aber häufig ein Dasein am Rande der öffentlichen Wahrnehmung. Ist sie dennoch gesellschaftlich wirksam und relevant? Richtet sie etwas aus und an?
Das lässt sich schwerlich sagen, wenn man, wie ich, mittendrin steckt. Man kann sich aber auf die Empirie berufen, also darauf, dass Musik auch früher schon etwas bewirkt hat. Ob die Musik, die wir aktuell «machen» oder hören, etwas bewirken wird, und welche Stücke die Zeiten überdauern werden, das können erst unsere Nachkommen beurteilen – die Komponisten, die früher ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Interview, Seite 40
von Jürgen Otten
Reuß-Schleiz-Greiz heißt das deutsche Duodezfürstentum in der Operette «Wiener Blut». Dass es keineswegs fiktiv ist, weiß eine größere Öffentlichkeit allerdings erst, seit ein Nachfahre des dortigen Herrschergeschlechts der Reußen vor eineinhalb Jahren bei den «Reichsbürgern» mitgeputscht hat. Wie sämtliche männlichen Mitglieder der Dynastie heißt er Heinrich, ist...
Unnahbarkeit strahlt sie aus, die Bronzestatue Kirsten Flagstads vor dem Opernhaus zu Oslo. Als wollte die große Sopranistin sagen: «Lasst mich in Ruhe!» Diese Aufforderung kam ihr denn auch aus tiefstem Herzen. Gerichtet war sie an jene Zeitgenossen, die Fake News über sie schon zu einer Zeit verbreiteten, da diese Kategorisierung von öffentlich gemachten...
Freunde wurden sie nie. Dafür waren sie zu unterschiedlich, sowohl was ihre persönlichen wie ästhetischen Vorlieben und ihre Weltanschauung, als auch was ihr Naturell betraf. Sichtbar wird diese Differenz nicht nur auf den Gemälden, die Oskar Kokoschka von ihnen anfertigte, sondern sogar anhand der Totenmasken, die den einen, Kraus, als friedlich-sanft...
