Keine Angst vorm Fliegen
Frau Sun, ist Musik sui generis politisch? Oder doch «nur» eine Bewohnerin der glückseligen Ästhetik-Insel?
Das ist meines Erachtens eine eher rhetorische Frage, denn Sie wissen es sicher bereits: Für mich ist Musik definitiv keine Bewohnerin der Insel der Glückseligen. Gleiches gilt für mich selbst sowie das Leben um mich herum. Musik ist naturgemäß immer auch politisch – wir bemerken es nur in Europa kaum, da wir unsere Meinung jederzeit frei äußern dürfen.
In kommunistisch oder faschistisch oder versteckt totalitär regierten Staaten wird jedoch auch heute, zu dieser Sekunde, jede noch so harmlose Äußerung eines jeden Künstlers kontrolliert.
Gerade die neue Musik fristet aber häufig ein Dasein am Rande der öffentlichen Wahrnehmung. Ist sie dennoch gesellschaftlich wirksam und relevant? Richtet sie etwas aus und an?
Das lässt sich schwerlich sagen, wenn man, wie ich, mittendrin steckt. Man kann sich aber auf die Empirie berufen, also darauf, dass Musik auch früher schon etwas bewirkt hat. Ob die Musik, die wir aktuell «machen» oder hören, etwas bewirken wird, und welche Stücke die Zeiten überdauern werden, das können erst unsere Nachkommen beurteilen – die Komponisten, die früher ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Interview, Seite 40
von Jürgen Otten
In der russischen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begegnen uns insbesondere bei Gogol und Dostojewski ganz unheldische Helden, die zuvor kaum je die Aufmerksamkeit der Dichter erregten. Sie entsprechen dem Typus des «armen Beamten». Auffällig ist, dass in vielen der ihnen gewidmeten Geschichten ihre Identität bedroht ist: So trifft in Dostojewskis...
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