Verführerisch
Das Christentum und seine Sexualmoral – es ist ein langes, leidiges Kapitel in der Geschichte mit vielen unguten Nebenerscheinungen. Daran hat sich, insbesondere was die katholische Lehre angeht, bis heute kaum etwas geändert – lediglich der Machteinfluss, um vorehelichen Sex zu verbieten oder gleichgeschlechtliche Beziehungen zu strafen, ist verschwunden. Dabei war es Freud, der die menschliche Sexualität als Naturkraft entdeckte und damit aus dem Würgegriff der Religion befreite. Die 1920er-Jahre sorgten dafür, dass bisher gültige Geschlechterrollen gehörig ins Rutschen gerieten.
In diese Zeit hinein schrieb Karol Szymanowski seinen «Król Roger». Und so, wie das 1926 in Warschau uraufgeführte Werk derzeit am Anhaltischen Theater Dessau zu erleben ist (in einer Inszenierung des Dessauer Ballettdirektors Stefano Giannetti), stellt sich berechtigterweise die Frage, warum es auf Bühnen außerhalb Polens weiterhin in der Rubrik «Raritäten» geführt wird. In drei Akten entspinnt sich die Geschichte des Mittel -alter-Königs Roger, als Drama des Machtverlusts und innere Reise der Selbsterkundung gleichermaßen.
Roger herrscht auf Sizilien über ein Staatskirchentum, das derart in seinen ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Werner Kopfmüller
Auf Gottes Geheiß soll ein alternder Vater seinen Sohn opfern. Alttestamentarische Wucht und Gewalt eines strafenden Gottes mag man mit dem unbarmherzigen Gebot assoziieren. Doch es ist die noch viel weiter zurückreichende Macht des Schicksals der griechischen Antike, die in Mozarts jugendfrisch-kühnem Geniestreich von 1781 zunächst noch einmal beschworen wird. In...
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Sechs Performer in knallblauen Leggins aus Lycra mit engen Tanktops schwingen Arme und Beine zu pulsierenden Lautsprecher-Rhythmen. Mit hochkonzentrierten Gesichtern legen sie eine perfekt synchrone Aerobic-Choreografie hin, an der Grande Dame Jane Fonda ihre helle Freude hätte. Für die zweite Ausgabe des diesjährigen Musiktheater-Festivals «Schall und Rausch»...
