Kein Feuer, kein Scheiterhaufen
Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel signifikant geriet.
«Meist sind die Stimmen unfreundlich, oft anklagend, sie werfen den Kranken Vergangenes vor, unabhängig davon, ob es sich tatsächlich abgespielt hat oder nicht.
Sie erteilen Befehle oder kommentieren Handlungen.» Von Schizophrenie ist die Rede im Programmheft zu Arthur Honeggers Szenischem Oratorium «Johanna auf dem Scheiterhaufen» auf Paul Claudels Dichtung. Das ist selbstredend kein Zufall. «Ketzerin! Hexe! Abtrünnige! Gottesfeindin! Verworfene!» Aber auch das beschwörende «Es war ein Mädchen namens Jeanne», das wir aus dem öffentlichen Telefon rechts am Bühnenrand unter der (Neon-)Straßenbeleuchtung hören – aus jenem Telefon, in das die profanierte Jungfrau ihr Gebet singt.
Marianne Denicourt, die junge, altmodisch-grandiose und doch so pathosferne französische Schauspielerin, macht es begreifbar: ...
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