Weißt Du, wie das wird?
Wer in diesem Sommer nach Bayreuth kommt, muss auf Musik nicht verzichten, nicht mal auf die von Richard Wagner. In Wahnfried, seiner ehemaligen Villa, in der Stadtkirche oder an der frischen Luft in der Wilhelminenaue: Überall finden vor kleinem Publikum Konzerte statt. Unter dem Titel «Summertime Bayreuth 2020» hat die um ihre Touristen fürchtende Stadt in Windeseile ein durchaus beachtliches Programm aus dem Boden gestampft. Auch viele Sänger der Festspiele und Mitglieder des Festspielorchesters beteiligen sich daran.
Organisieren mussten sie die Konzerte freilich in Eigenregie, während die Festspiele bis zuletzt kaum entscheiden konnten oder wollten, ob sie wenigstens den traditionellen Eröffnungstermin am 25. Juli retten möchten. Nun dirigiert Christian Thielemann immerhin ein Konzert mit dem Festspielorchester, aus unerfindlichen Gründen aber nicht im Festspielhaus. Ob vor Publikum oder nur fürs Radio, stand bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch immer nicht fest.
Geschäftsführerin Katharina Wagner befindet sich auf unabsehbare Zeit im Krankenstand. Bereits Ende März hatte sie die gesamten Festspiele abgesagt – und damit zu einem Zeitpunkt, als noch niemand die ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 4
von Michael Stallknecht
Als Julius Cyriax 1855 eine Aufführung von Wagners «Tannhäuser» sah, war’s um ihn geschehen: Mit Inbrunst verehrte der gerade 15-jährige Kaufmannssohn aus Gotha den Meister. Und dabei blieb es, sein Leben lang. Zu gern wäre er selbst Musiker geworden! Doch sein Vater wollte den Jungen in den eigenen Fußstapfen sehen. Also lernte der das Geschäft, ging 1858 erst...
Die Bedrohung – sie ist an diesem Abend für den Zuschauer, wenn er beim Abdunkeln des Saals seine Maske abnehmen darf, allgegenwärtig. Etwas bricht aus, verdunkelt das ganze Leben und lässt anfangs keinen Raum für Hoffnung. Corona? Nein, es ist ein Vulkan, ähnlich dem des Jahres 1815 – Tambora. Er bescherte Europa seinerzeit einen Sommer ohne Sonne: ein...
Ein bisschen kräftiger dürfte das espressivo schon sein. «Fülle, Fülle», ruft Marek Janowski den Streichern zu, als es zu Beginn des zweiten Akts in den Kerker geht. Und pochen soll der Rhythmus nach Florestans Verzweiflungsschrei: «Gott, welch Dunkel hier!» Mehr «Substanz» fordert der 81-jährige Maestro später von den ersten Geigen und den Bratschen. Als wolle er...
