Goldglockentöne
«Keinen hat es noch gereut, / Der das Ross bestiegen, / Um in frischer Jugendzeit / Durch die Welt zu fliegen.» Forsch und keck, mit Brahms und Tieck und wohl auch autobiografisch geht es los auf der neuen Lieder-CD des 33-jährigen Rafael Fingerlos. Aus dem südlichsten Zipfel des Salzburger Landes, dem Bezirksort Tamsweg, hat er sich mittlerweile seinen Weg gebahnt, um ins Ensemble der Wiener Staatsoper oder weiter an die Dresdner Semperoper zu gelangen.
In seinem Recital sucht der dezidiert heimatverbundene Sänger aber auch das Fremde im Vertrauten auf, setzt sich nicht nur auf die gängigen Spuren von Wanders- und Rittersleuten, die gleichsam hurtig in die Welt hinaus wollen, sondern berührt stets die komplexen Gefühlslagen von Sehnsucht, Liebe, Einsamkeit, Abschied. Seine Liederreise hält Bekanntes (von Schubert, Schumann, Brahms oder Richard Strauss) ebenso bereit wie abseits des Wegesrandes liegende Preziosen: das «Reiselied» von Robert Fürstenthal (1920-2016), für den Fingerlos schon auf seiner Debüt-CD nachhaltig eintrat, ein melancholisch umflortes Lied von Alma Mahler («Die stille Stadt»), Piecen von Peter Warlock (1894-1930) oder ein schlichtes kleines Poem von Charles ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Karl Harb
Draußen zwitschern die Vögel, drinnen ertastet einsam ein Klang das Terrain. Schwebt samten umher, umgarnt das Ohr, verdichtet sich zu märchenhaft-mystischem Gebilde, nimmt zarte, aber konsistente Gestalt an: magischer Lichtstrahl aus einzelnen Tönen, transzendiert zu luftigem Idyll. Hört man das Lied «Sunrise» von Charles Ives bei geöffnetem Fenster, dann wird die...
Das Stück passt in die Zeit. Ein Gespinst aus porzellanen Klängen, dass in hauchdünnen, zärtlich-zartbitteren Tönen die tiefste Krise menschlicher Existenz beschreibt – eine Liebe, die in den Tod führt. Doch reicht sie eben auch über ihn hinaus, diese Liebe: als Utopie. Frank Martins «Le vin herbé», 1942 konzertant uraufgeführt, sechs Jahre später bei den...
Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und...
