Kapaune, Hühner – und eine Leidenschaft

Friedrich der Große, der vor 300 Jahren geboren wurde, sah sich als Inkarnation von Mars und Apoll. ...Dass er sich für Wissenschaft und Kunst einsetzte, passt zu diesem Selbstbild – und ist doch von vielen Legenden und Halbwahrheiten verzerrt worden. Sabine Henze-Döhring räumt in ihrem neuen Buch damit auf. Sie hat umfang­reiche Quellenrecherchen betrieben und porträtiert nicht nur den Preußenkönig als herausragenden Kenner der zeitgenössischen Musikszene, sondern damit und dabei auch diese Musikszene selbst. Im Vorabdruck das Kapitel über Friedrich II. als Opernexperte: ein Impresario, der Musik als Fortschreibung der Politik mit anderen Mitteln verstand.

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«Ich erwarte täglich einen Sänger aus Italien, der Preußen sehr gut sein soll», schrieb Kronprinz Friedrich seiner Schwester Wilhelmine Anfang 1737 aus Rheinsberg.(1) Alle Hoffnungen ruhten auf seinem in Rom weilenden Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff – leider vergebens: «Die hiesige [sic] Castraten entschließen sich schwerlich von dannen zu gehen, die guten Tage, die Hochachtung vor ihnen und das beständige Brodt, so sie auch im unvermögenden Stande behalten, sind Uhrsache, daß sie 100 Rthlr. in Rom auswärtigen Tausenden vorziehen.

»(2) Es bedurfte der Thronübernahme, der damit verbundenen Aufbruchstimmung und wohl auch finanzieller Mittel, bevor aus Friedrichs Träumen Wirklichkeit werden konnte. Voller Ungeduld erwartete er im Mai oder Juni 1742 Knobelsdorffs Nachricht über den Fortgang seines im Bau befind­lichen Opernhauses: eine Puppe, mit der er sich amüsiere.

Als Friedrich endlich einen Gesangstar gewonnen hatte, den Sopran-kastraten Antonio Uberti (eigentlich Anton Hubert, genannt Porporino), der seit November 1742 Mitglied der Hofkapelle war, geriet er in eine Art Rausch. Im Februar / März 1743 kam es in Potsdam zu arbeitsintensiven Begegnungen. Porporino ...

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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Essay, Seite 40
von Sabine Henze-Döhring

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