Kalkulierte Proportionen

Pascal Dusapin über die Aktualität der Faust-Figur, eine Musik aus dem Gesang und die Freiheit der Interpretation

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Herr Dusapin, für Ihr «Faustus»-Libretto haben Sie aus vielen literarischen und anderen Quellen geschöpft. Der wichtigste Pate Ihrer Textcollage ist aber der englische Shakespeare-Zeitgenosse Chris­topher Marlowe. Wie kam es zu dieser Wahl?
Ich wollte Anfang der neunziger Jahre eigentlich über einen Text von Gertrude Stein arbeiten: «Doctor Faustus Lights the Lights». Es sollte meine erste Kammeroper werden. Eine Reihe von Skizzen lag bereits vor, als Robert Wilson plötzlich mit seinem Bühnenprojekt über Steins «Faust»-Adaption herauskam.

Da­mit war die Sache für mich verbrannt. Ein Desaster. Ich entschied mich dann für einen anderen Text von Gertrude Stein, dessen Untertitel «To Be Sung» wurde der Titel meiner Oper. Doch der Faust-Stoff ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Den Anstoß, einen zweiten Anlauf zu nehmen, gab Peter Mussbach. Als auch noch das Angebot einer Uraufführung an der Staatsoper in Berlin kam, habe ich mich wieder ernsthaft mit dieser Figur, mit ihren mythischen Bedeutungen und literarischen Erscheinungsformen beschäftigt. Natürlich lag da der Gedanke nahe, Goethe ins Zentrum zu rücken. Aber ich hatte Prob­leme mit der Gretchen-Episode und dem Erlösungszauber am ...

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Opernwelt März 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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