Jubel unter Tränen
Zwar regnet es selten in dieser südlichen Gegend, dennoch rosten Orlandos Tage. Und mögen die anderen sich auch ständig Zigaretten anstecken: Die Kippen würden ihm in seiner Depression bloß nach komprimiertem Novembernebel schmecken. Doch Rauchen ist eigentlich gar nicht erlaubt in Christian Schmidts Wohn-Drehbühne mit ihrem Plattenbau-Charme. «PROHIBIDO FUMAR» steht auf der Betonwand der
Garage, über der sich Orlandos ebenso triste Bude befindet. Dort hängt der traumatisierte Kriegsrückkehrer am Computer und spielt. Kriegsspiele natürlich.
Das «Prohibido fumar» – die Chose trägt sich irgendwo im hispanischen Raum zu, vermutlich in Südamerika – erinnert an Nikolaus Harnoncourts und Andrea Breths Annexion von Bizets «Carmen» vor 13 Jahren in Graz. Auch damals ein Rauchverbot in Spanisch auf grauem Beton, Don José hetzte durchs Geschehen wie ein offenes Rasiermesser, man schnitt sich an ihm. Wie jetzt an Orlando, der in Claus Guths Inszenierung am Theater an der Wien ebenso geschärft daherkommt, von Counter Christophe Dumaux mit gespannten Muskeln fast and furious gespielt und gesungen.
Seiner Heimat, in die er erst vor Kurzem zurückkehrte, kann der Kriegsveteran nichts mehr ...
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