Jubel, Trubel, Grausamkeit

Am Theater an der Wien spielt Rameaus «Platée» in der Modewelt. Robert Carsen inszeniert, Paul Agnew dirigiert

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Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm ­danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis des Zuschauers zum Geschehen im «Platée»-Prolog am Theater an der Wien ganz gut vorstellen.

Auf einer Lametta-gesäumten Bühne feiert die kreative Szene eine Griechensause, weiße ­Laken über die Hipster-Klamotten gewickelt. Bechern mit Bacchus. So überdreht, dass es fast ein bisschen peinlich ist. Gab’s schon hundertmal, diese Bühnenpartys, ich kann’s nicht mehr sehen, mault die Begleitung in der Pause. Mag sein. Aber es passt ja zum Stück, diesem ballet bouffon. Zum persiflierenden Ton, den aufgekratzten Oktavläufen, den schrubbenden Tonwiederholungen. Gut möglich, dass der durchschnittliche Louis-Quinze-Teenager aus gutem Hause einst heimlich Luftgeige dazu spielte in seinem Gemach. Natürlich nervt das overacting der torkelnden Truppe (ach ja! Trunkenheit ist so schwer zu spielen!), manchen Wink hätten wir auch ohne ...

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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff

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