Jubel, Trubel, Grausamkeit
Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis des Zuschauers zum Geschehen im «Platée»-Prolog am Theater an der Wien ganz gut vorstellen.
Auf einer Lametta-gesäumten Bühne feiert die kreative Szene eine Griechensause, weiße Laken über die Hipster-Klamotten gewickelt. Bechern mit Bacchus. So überdreht, dass es fast ein bisschen peinlich ist. Gab’s schon hundertmal, diese Bühnenpartys, ich kann’s nicht mehr sehen, mault die Begleitung in der Pause. Mag sein. Aber es passt ja zum Stück, diesem ballet bouffon. Zum persiflierenden Ton, den aufgekratzten Oktavläufen, den schrubbenden Tonwiederholungen. Gut möglich, dass der durchschnittliche Louis-Quinze-Teenager aus gutem Hause einst heimlich Luftgeige dazu spielte in seinem Gemach. Natürlich nervt das overacting der torkelnden Truppe (ach ja! Trunkenheit ist so schwer zu spielen!), manchen Wink hätten wir auch ohne ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer...
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird...
