Schwarze Revue
Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und bis vor Kurzem gespielt wurde, mit der er selbst aber nie zufrieden war. Nun hat Hilsdorf vom Bonner Premierenpublikum für seine ungleich schärfere neue «Aida» einen orkanartigen Beifallssturm ernten können.
Und das, obwohl die Bonner nicht gerade für ein extrovertiertes Temperament berühmt sind. Durch aktuelle politische Begleitumstände zeigen sie sich wohl offener als sonst für eine kritische Lesart. Ein Glücksfall, könnte man ketzerisch daraus schließen, dass die Bonner Oper gerade dann am besten ist, wenn sie am meisten unter Druck steht?
Das Timing dieser Premiere war perfekt, wenn auch so nicht geplant: Wieder einmal hat der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch dem Opernhaus mit Sparmaßnahmen und der unsinnigen Fusion mit der Kölner Oper gedroht, woraufhin Intendant Bernhard Helmich, dessen Neuausrichtung des ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Regine Müller
Knapp 60 Seiten umfasst das «Verzeichnüß aller meiner Werke», das Wolfgang Amadé Mozart lückenlos geführt hat. Auf dem Etikett steht: «Vom Monath Febrario 1784 bis Monath … 1». Alles ist offen. Nur die «1» am Zeilenende steht für das Jahrtausend, in dem das Verzeichnis zu Ende gehen würde, dem Jahrhundert hingegen griff Mozart nicht vor. Der letzte Eintrag stammt...
Der Sensible
Nach seinem ersten «Tannhäuser» in Riga, mit fünf, weinte er drei Tage lang. Mit 24 wurde er Chefdirigent der Lettischen Nationaloper, mit 29 des Birmingham Symphony Orchestra. Jetzt, mit 35, ist er Chef der Boston Symphony. Wie macht Andris Nelsons das?
Der Widerspenstige
Der Wert seiner Werke ist durchaus anerkannt. Und tatkräftige Bemühungen, Giacomo...
Es ist zwar nicht sicher, ob sie in der Form überhaupt wahr ist. Aber die Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu erzählen. Im September 1951 spielte der spätere Beat-Autor William S. Burroughs – dessen Haupt zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr drogenvernebelt als ruhmbekränzt war – in einer Wohnung über der berühmten Bounty-Bar in Mexico City mit einer Pistole...
