Joseph und andere Brüder
Wann hat es ein neues, junges Opernfestival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Publikum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Publikum trotz eher niedriger Durchschnittseinkommen stolze Preise zahlt, weil es einerseits stolz auf das Erreichte ist und andererseits weiß, dass es für das Geld etwas geboten bekommt, das sich sehen und hören lassen kann.
In Riga kommt mittlerweile alles zusammen, und nicht nur deshalb darf das dortige Opera Festival in seinem zehnten Jahr erfolgreich (Zwischen-)Bilanz ziehen.
Dass die baltischen Staaten über ein Reservoir hochbegabter Sänger, Komponisten und Dirigenten verfügen, hat sich längst herumgesprochen. Lettlands neuer Opernstar Elina Garanca allerdings hat über Umwege in Bukarest, London oder Salzburg Karriere gemacht und wird erst in der kommenden Spielzeit in der Rigaer Oper auftreten: als Carmen. Ein anderer Musiker aber stieg an der Oper von Riga auf und befindet sich im internationalen Höhenflug: der junge, ungemein begabte Dirigent Andris ...
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Die Erfurter Neuinszenierung von Verdis «La traviata» – kurzfristig für einen ursprünglich mit Johann Kresnik geplanten «Maskenball» ins Programm geschoben – war spektakulär wegen des Deutschland- und Rollendebüts der jungen lettischen Sopranistin Marina Rebeka, die mit erstaunlicher musikalischer wie szenischer Selbstsicherheit die Titelpartie übernahm. Rebeka...
Auf unserer Rückfahrt grinst Ron zum ersten Mal. Er zieht die Lippen von seinen blitzend weißen Zähnen, und sein schwarzes Gesicht beginnt zu leuchten. Ja, Sam sei ein alter Freund von ihm. Sam Barber. Mit dem habe er schon auf der Veranda gesessen. Was, sogar in Europa sei der bekannt? Ein lieber Mensch. Salzburg? Vanessa? «Never heard of it.» Ron fährt Taxi in...
Die Substanz einer Oper ist das Sichtbare, nicht das Erzählbare», stellte der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus einmal kategorisch fest. Dem Opernliebhaber fallen freilich auf Anhieb etliche Szenen ein, in denen recht hemmungslos erzählt wird: Lohengrins Gralserzählung, Wotans großer Monolog im zweiten Akt der «Walküre», die Mägdeerzählung des Ochs auf Lerchenau...
