Verdi: La traviata
Die Erfurter Neuinszenierung von Verdis «La traviata» – kurzfristig für einen ursprünglich mit Johann Kresnik geplanten «Maskenball» ins Programm geschoben – war spektakulär wegen des Deutschland- und Rollendebüts der jungen lettischen Sopranistin Marina Rebeka, die mit erstaunlicher musikalischer wie szenischer Selbstsicherheit die Titelpartie übernahm. Rebeka besitzt alles, was Verdi in darstellerischer Hinsicht von der in die Sphären der Kunst gehobenen Edelkurtisane verlangte: «Sie hat eine gute Figur, Seele und nimmt sich auf der Bühne gut aus.
» Und sie verfügt über jene drei stimmlichen Voraussetzungen – lyrische Kantabilität, dramatische Kraft und eloquente Koloraturtechnik –, die die Rolle der Violetta so gefürchtet macht.
Rebekas zusammen mit der jungen Regisseurin Yona Kim entworfenes Porträt visualisiert Violettas Geschichte als «Weg ohne Ausweg», als «Opfergang» und «schmerzhafte Passionsgeschichte» (so Kim im Programmheft) und erinnert daran, dass Verdi seine Oper ursprünglich «Amore e morte», «Liebe und Tod» nennen wollte. Schon im pantomimischen Vorspiel zum ersten Akt ist diese Violetta eine Entrückte, und so stirbt sie denn auch am Ende nicht, sondern entschwindet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Thema reizt, gerade in Zeiten, da fast jede Woche Schlagzeilen über ermordete Kinder erscheinen. Doch Choreografin Sasha Waltz widersteht in ihrer zweiten Opernregie der Versuchung, dem «Mythos Medea» allzu aktuelle Bezüge zu verleihen.
Das wäre auch schwierig, reduziert doch Pascal Dusapins 1991 entstandene Oper zu Heiner Müllers «Medeamaterial» die Handlung...
«Wenn nur meinem Kopf nichts passiert, es sind noch so viele schöne Sachen drin», sagte Rudi Stephan zu seiner Mutter, bevor er sich am 13. September 1915 am Wormser Bahnhof von ihr verabschiedete und sich freiwillig zur Ostfront transportieren ließ. Sechzehn Tage später war er tot, getroffen von der Gewehrkugel eines russischen Soldaten. Mit 28 Jahren war ein...
Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als...
