Jetzt erst recht
Wer Zeit erfahren will, findet in Halberstadt dafür beste Voraussetzungen. Hier wird John Cages Werk «Organ2/ ASLSP» aufgeführt. Die Vortragsbezeichnung lautet «as slow as possible». Auf der Orgel mit ihren ewig zu haltenden Tönen wäre dieses Werk als nie endender Klang denkbar. So weit geht man in der Halberstädter Burchardikirche nicht, aber die immer noch gigantomanische Idee ist schon ein Stück weit Wirklichkeit geworden: Cages Werk soll für die nächsten 639 Jahre erklingen.
Vom Jahr 2000 ging man genau diesen Zeitraum in der Historie der Stadt zurück, bis zur Erbauung der Domorgel, dem ersten Tasteninstrument mit 12-töniger Klaviatur, 1361. Nun soll ebenso lange in die Zukunft musiziert werden. Eine halbe Ewigkeit.
Dagegen nimmt sich das Nordharzer Städtebundtheater mit seiner zweihundertjährigen Geschichte geradezu jung aus. In der Jubiläumsspielzeit ist das Theater akut von Sparmaßnahmen bedroht, die tragenden Kommunen – Halberstadt und Quedlinburg – haben kaum Geld. Doch es regt sich auch Widerstand. Die neue Spielzeit steht unter dem Motto «Unverzichtbar!», Hoteliers haben eine Theateraktie ausgegeben, mit der Förder-willige das Haus finanziell unterstützen können. ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Johannes Gleim
Eines ihrer persönlichsten Projekte der letzten Jahre war 2002 die CD «Ninna Nanna»: achtzehn Wiegenlieder aus zwölf Ländern, in denen sich ihr warmer, sparsam vibrierender Sopran mit jener Menschlichkeit, jenem Engagement für Menschen verband, das ihr Markenzeichen war.
Montserrat Figueras stammte aus einem musikalischen Elternhaus. 1942 wurde sie in Barcelona...
«Opernfreund, was willst du mehr», kann man in einem einschlägigen Internetforum lesen. In der Tat: Acht Opernquerschnitte auf sieben CDs, alle mit Fritz Wunderlich, aufgenommen zwischen 1960 und 1963 von der damaligen Electrola, vom Nachfolger EMI Classics nun digital bearbeitet und zum Spottpreis von nicht einmal drei Euro pro Scheibe auf den Markt geworfen – das...
Da rückt einer nach. Da mischt einer den Zirkel seiner komponierenden Amtsbrüder auf, bekommen die – älteren – Herren Rihm und Pintscher, Haas oder Furrer Blutzufuhr. Anno Schreier heißt der wahrlich noch junge Mann. Der Aachener des Jahrgangs 1979, der, etwas blass, fast ein wenig unbeholfen wirkend, sich im Entgegennehmen des – allenthalben starken – Beifalls...
